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Das Zenonzän
Details
Eine Läuferin steht in den Startlöchern bereit. Doch um ins Ziel zu kommen, muss sie zunächst die Hälfte der Strecke schaffen, und dafur wiederum die Hälfte der Hälfte Wenn sie fur jede Hälfte eine bestimmte Zeit benötigt und sich die Strecke unendlich oft halbieren lässt, ist dann auch das Rennen ein unendliches? Soll sie uberhaupt loslaufen? Heute ist klar, dass dem Paradoxon des Zenon von Elea ein Fehlschluss zugrundeliegt und doch ist gerade fur dieses Heute einiges an Wahrheit darin aufgehoben. Die ständige Teilung der Gesellschaft in immer kleinere Identitäten und Bubbles, das technologische Sprinten ohne echten Fortschritt, ohne Vorwärtskommen. Leben wir vielleicht im Zenonzän? Mit einem aufmerksamen Interesse fur die großen Fragen, die uber unserer Gegenwart schweben, und einem emphatischen Blick fur kleine und randständige Tendenzen schreibt Isabel Fargo Cole uber Sprache und Wortmaschinen der Kunstlichen Intelligenz, uber Postwachstum und Schöpfungsgeschichte, uber den Stillstand der Lockdowns, Überwachung, linken (und rechten) Technikoptimismus und die Arbeit des Übersetzens. Sie weist auf manch erschreckende Bruchkante im stabil geglaubten Fundament unseres Weltbilds hin, findet aber auch verbluffend schöne, funkelnde Einschlusse im Gestein des Zenonzäns.
»Leise im Ton und bestimmt in der Sache erschließen die Essays von Isabel Fargo Cole das Gelände einer Gegenwart, in welcher der beschleunigte Takt von Krisen und Katastrophen mit dem Horizont einer aufgezehrten Zukunft verschmilzt und sich im Eindruck eines stehenden Sturmlaufs (Franz Kafka) verdichtet. Diese scharfsinnigen Exkursionen in ein Deutschland der letzten dreißig Jahre durchqueren eine thematische Vielfalt, die von vergessenen Utopien über die Zumutungen des digitalen Kapitalismus bis hin zu überraschenden literarischen Begegnungen reicht. Dabei erweisen sich die Texte dieses Bands als Essays oder Versuche im besten Sinn: Sie halten die Spannung zwischen Genauigkeit und Leidenschaft, Theorie und Erfahrung, Analyse und Intuition und formieren mit der Erinnerung an uneingelöste Möglichkeiten der Geschichte einen Widerstand gegen die Versteinerung politischer Einbildungskraft.« Joseph Vogl »Vielleicht beschreibt man diese Schriftstellerin am besten als eine Art Ethnologin, die sich in denkbar größter Intensität dem eigentlich Fremden annähert. Mit einer unbändigen Neugier will sie erkunden, die Fakten, die Sprache, die Geschichte, die Seelen und die Schicksale mit ihrem tauchenden Blick erkennen.« Alexander Cammann, Laudatio zum Literaturpreis der A und A Kulturstiftung
Autorentext
Isabel Fargo Cole (*1973 in Galena, Illinois), Autorin und Übersetzerin, lebt seit 1995 in Berlin. Ihr Debütroman »Die grüne Grenze« (2017) war für den Preis der Leipziger Buchmesse und den Klaus-Michael Kühne-Preis nominiert. 2018 erhielt sie den Helen & Kurt Wolff Übersetzerpreis für ihre Übersetzung von Wolfgang Hilbigs »Alte Abdeckerei« ins Englische. 2019 erschien der Roman »Das Gift der Biene«, 2022 »Die Goldküste. Eine Irrfahrt« (Matthes & Seitz). 2023 wurde ihr der Literaturpreis der A und A Kulturstiftung verliehen.
Leseprobe
Eine standpunktlose Maschine, ein Abstraktum ohne Welterfahrung kann niemals wirklich schreiben oder übersetzen, glaubte und glaube ich. Damit meine ich nicht allein die »stilistische« oder »kreative« Arbeit, die in den einschlägigen Debatten meist als eine dem »Inhalt« aufmontierte Benutzeroberfläche gehandelt wird. Nein, ich denke schon an die Bedienungsanleitungen für die Großindustrie, die ich Ende der 1990er in einem Übersetzungsbüro computerunterstützt übertrug, ohne von Industriemechanik die geringste Ahnung zu haben. Zwar konnte die Software-Maske bei jedem Satz auf eine bereits übersetzte Vorlage zurückgreifen, die komplett zu übernehmen oder leicht zu variieren war, so dass der Arbeitsrhythmus einer einlullenden seriellen Musik glich. Aber manchmal schreckte ich auf, weil in der Vorlage ein uneindeutiger Begriff steckte und ich eine eigenständige Entscheidung treffen musste. Dabei konnte ich mir von den Mechanismen, um die es ging, überhaupt kein Bild machen. Bei den elementarsten Dingen physische Strukturen, Bewegungen im Raum tappte ich im Dunkeln. Bedeutete an nun »at«, »by«, »on« oder »in«? Ich konnte mir nur eines vorstellen: Wie eine Arbeiterhand danebengreifen könnte, wenn ich die Präposition falsch übertrug. In einem entfernten Erdteil könnte ich eine Havarie auslösen.
Weitere Informationen
- Allgemeine Informationen
- GTIN 09783960544746
- Sprache Deutsch
- Auflage Originalveröffentlichung
- Größe H208mm x B125mm x T10mm
- Jahr 2025
- EAN 9783960544746
- Format Kartonierter Einband
- ISBN 978-3-96054-474-6
- Veröffentlichung 26.08.2025
- Titel Das Zenonzän
- Autor Isabel Fargo Cole
- Untertitel Paradoxien des Fortschritts. Essays
- Gewicht 225g
- Herausgeber Edition Nautilus
- Anzahl Seiten 184
- Lesemotiv Verstehen
- Genre Politik, Gesellschaft & Wirtschaft