Wir verwenden Cookies und Analyse-Tools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internet-Seite zu verbessern und für Marketingzwecke. Wenn Sie fortfahren, diese Seite zu verwenden, nehmen wir an, dass Sie damit einverstanden sind. Zur Datenschutzerklärung.
Tagebücher Band III, 1936
Details
Michail Prischwin (18731954) versuchte in seinen Tagebuchern zu verstehen, was um ihn herum passierte, und die Zeichen seiner Zeit zu entschlusseln, in Alltagsbeobachtungen ebenso wie auf innersowjetischen Reisen, in Lekturemitschriften wie in Beschreibungen der Natur und steter Selbstbeobachtung. Im Zentrum des Jahres 1936 steht die Erkundung der Kaukasusregion Kabardino-Balkarien: Dort regiert der charismatische Fuhrer Betal Kalmykow, der Prischwin umgarnt und ihn fasziniert, ihm aber auch bedrohlich erscheint. Vor Ort gewinnt Prischwin intime Einblicke, zeichnet sie akribisch auf und nimmt Annehmlichkeiten, wie etwa ein Auto, gerne in Anspruch. Parallel dazu denkt er uber das bruchige Gleichgewicht von Macht, Fortschritt und Gewalt nach. Neben der Reise an die sowjetische Peripherie ist Prischwin 1936 auch in Moskauer literaturinterne Machtkämpfe verstrickt, auf Schriftstellertagungen, in Briefwechseln und öffentlichen Auseinandersetzungen. Er kämpft um literarische Anerkennung und dadurch verbundenen Schutz, um ausbleibende Ehrungen und politischen Einfluss. Hell leuchten in Eveline Passets fast seismographischer Übersetzung die Momente, in denen Prischwin sich der Ambivalenzen seiner Existenz bewusst ist: »Ich will nicht gekusst werden, und zugleich ist es kränkend, unbeachtet zu bleiben.« Das Tagebuch, in gefährlichen Zeiten einziger Raum fur freies Denken, gewinnt fur ihn zunehmend an Bedeutung. Sein Wert fur uns Nachgeborene, suchtig danach, Erkenntnisse und Parallelen zu unserer Zeit zu finden, scheint heute unschätzbar.
Autorentext
Michail Prischin (18731954) wurde nahe Jelez im Dorf Chruschtschowo als Kaufmannssohn geboren. Er studierte an der chemisch-agronomischen Fakultät des Polytechnikums in Riga, wurde jedoch 1897 festgenommen, weil er sich an der Verbreitung revolutionärer Schriften beteiligt hatte. Es folgten Einzelhaft, Studienverbot fur Russland und Ausreise nach Deutschland, wo er am Landwirtschaftlichen Institut der Leipziger Universität 1902 seinen Abschluss machte. Nach einer kurzen Episode als Agronom arbeitete er als Journalist und während des Burgerkriegs als Dorflehrer, Bibliothekar und Museumskustos. Seit 1905 fuhrte Prischwin Tagebuch und veröffentlichte erste literarische Texte. Neben den vielgeruhmten Erzählungen begrundeten vor allem sein autobiografischer Roman »Die Kette des Kaschtschej« und die Erzählung »Shen-Schen« seinen Ruf. Lange blieb unbekannt, dass Prischwin nach 1917 auch Werke politisch-philosophischen Charakters schrieb, die aus Zensurgrunden nicht oder verstummelt erst Jahrzehnte später erscheinen konnten. Die in Russland seit 1991 laufende Edition seiner Tagebucher wurde 2017 abgeschlossen.
Klappentext
Michail Prischwin (1873-1954) versuchte in seinen Tagebüchern zu verstehen, was um ihn herum passierte, und die Zeichen seiner Zeit zu entschlüsseln, in Alltagsbeobachtungen ebenso wie auf innersowjetischen Reisen, in Lektüremitschriften wie in Beschreibungen der Natur und steter Selbstbeobachtung. Im Zentrum des Jahres 1936 steht die Erkundung der Kaukasusregion Kabardino-Balkarien: Dort regiert der charismatische Führer Betal Kalmykow, der Prischwin umgarnt und ihn fasziniert, ihm aber auch bedrohlich erscheint. Vor Ort gewinnt Prischwin intime Einblicke, zeichnet sie akribisch auf - und nimmt Annehmlichkeiten, wie etwa ein Auto, gerne in Anspruch. Parallel dazu denkt er über das brüchige Gleichgewicht von Macht, Fortschritt und Gewalt nach. Neben der Reise an die sowjetische Peripherie ist Prischwin 1936 auch in Moskauer literaturinterne Machtkämpfe verstrickt, auf Schriftstellertagungen, in Briefwechseln und öffentlichen Auseinandersetzungen. Er kämpft um literarische Anerkennung und dadurch verbundenen Schutz, um ausbleibende Ehrungen und politischen Einfluss. Hell leuchten in Eveline Passets fast seismographischer Übersetzung die Momente, in denen Prischwin sich der Ambivalenzen seiner Existenz bewusst ist: 'Ich will nicht geküsst werden, und zugleich ist es kränkend, unbeachtet zu bleiben.' Das Tagebuch, in gefährlichen Zeiten einziger Raum für freies Denken, gewinnt für ihn zunehmend an Bedeutung. Sein Wert für uns Nachgeborene, süchtig danach, Erkenntnisse und Parallelen zu unserer Zeit zu finden, scheint heute unschätzbar.
Weitere Informationen
- Allgemeine Informationen
- Nachwort von Eveline Passet, Jutta Scherrer
- Sprache Deutsch
- Schöpfer Eveline Passet, Jutta Scherrer
- Editor Eveline Passet
- Autor Michail Prischwin
- Titel Tagebücher Band III, 1936
- Veröffentlichung 13.08.2025
- ISBN 978-3-9453705-0-6
- Format Fester Einband
- EAN 9783945370506
- Jahr 2025
- Größe H122mm x B194mm x T39mm
- Gewicht 520g
- Herausgeber Guggolz Verlag
- Übersetzer Eveline Passet
- Auflage Erste Auflage
- Genre Literatur vor 1945
- Lesemotiv Auseinandersetzen
- Anzahl Seiten 437
- GTIN 09783945370506