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"Und wo sind hier die Betten?"
Details
Es ist eine unerwartete Frage, die Kathy Izards Leben für immer verändert. »Und wo sind hier die Betten?«, will der ehemalige Obdachlose Denver Moore (bekannt durch den Bestseller »Genauso anders wie ich«) von ihr wissen, als sie ihm stolz die Obdachlosenarbeit präsentiert, in der sie sich ehrenamtlich engagiert. Fortan lässt ihr diese Frage keine Ruhe mehr. Sie fühlt sich herausgefordert, mehr zu tun, als in der Suppenküche mitzuarbeiten und so gibt die Grafikdesignerin und Mutter von vier Töchtern ihren Job auf und stellt sich einer Herausforderung, die viel zu groß für sie zu sein scheint: Häuser für Obdachlose zu bauen. Dabei kommt sie nicht nur mit ihrer eigenen Vergangenheit ins Reine, sondern erlebt auch Wunder über Wunder und kann schließlich gar nicht mehr anders, als zu erkennen: Ja, es gibt einen Gott. Er hat einen Plan für uns und ist in unserem Leben am Wirken. Und so verrückt es sich auch anfühlen mag, auf sein Flüstern zu hören verrückter wäre, es nicht zu tun.
Autorentext
Kathy Izard ist verheiratet, hat vier Töchter, lebt in Charlotte und arbeitete 20 Jahre lang als Grafikdesignerin. 2007 initiierte sie in ihrer Stadt das Programm »Homeless to homes«, fand darüber nicht nur zu einem erfüllten Leben, sondern auch zum Glauben, und schuf mit »Moore Place« ein Zuhause für über hundert vormals obdachlose Menschen, die alle ihre ganz eigene Geschichte haben.
Leseprobe
- Sechs Kerzen, ein Wunsch Wir alle müssen unsere Heimat verlassen, um eine realere und größere Heimat zu finden. Richard Rohr Es war der Tag, den ich nie vergessen werde, in dem Jahr, das ich am liebsten für immer vergessen würde. Ich stand auf Zehenspitzen und schaute über den Rand ihres großen grünen Zeichentisches. Ich sah meiner Mutter zu, wie sie sorgfältig zehn Kunstwerke erschuf. Konzentriert beugte sie sich vornüber, damit sie näher an ihrem Bleistift arbeiten konnte. Wir waren in ihrem geräumigen Atelier, das in unserem neuen, mit Zwischengeschossen ausgestatteten Haus an das Schlafzimmer meiner Eltern angrenzte. Unsere fünfköpfige Familie wohnte erst seit Kurzem dort, in der letzten Straße einer neu erbauten Siedlung im Westen von El Paso, Texas, und wir Kinder hatten alle ein eigenes Zimmer. Das Atelier war ein fast vierzig Quadratmeter großer Raum mit gewölbten Decken und natürlichem Tageslicht, das durch die Fenster hereinströmte. Zwei Brennöfen standen darin und es gab Staffeleien, Leinwände, Acryl- und Ölfarben sowie Schränke, in denen noch weitere Materialien waren. Ein Kassettenrekorder und einige Schachteln voll mit klassischer Musik sorgten dafür, dass der Raum mit dem Klang von Symphonien erfüllt war, während wir arbeiteten. Meine beiden Schwestern und ich waren wahrscheinlich die einzigen drei kleinen Mädchen, die dazu ermutigt wurden, Grußkarten selbst zu gestalten, statt welche zu kaufen. Wenn Verwandte Geburtstag hatten, ein Jubiläum oder Feiertage bevorstanden, holte Mutter die Malutensilien heraus und ließ uns ganz persönliche Karten anfertigen. Glitter und Klebstoff allein reichten nicht; wir mussten ein Thema, eine Illustration und eine Botschaft haben, genau wie bei einer richtigen Grußkarte. Für mich war dieser Raum in unserem Haus immer eine Art Liebesbrief meines Vaters an meine Mutter. Er wollte, dass sie sich hier entfalten konnte, wenn sie schon in die texanische Wüste verpflanzt worden war. El Paso war die Heimatstadt meines Vaters und meine Mutter war ein Jahrzehnt zuvor von North Carolina hierher gezogen, aus reiner Liebe zu ihm. Alle Häuser in unserer Nachbarschaft waren grundsätzlich im Stil einer Ranch erbaut, mit zusätzlichen architektonischen Elementen aus dem Westen: Ziegeldächer, bunte Lehmziegel und Holzbalken, die über bogenförmigen Fenstern herausragten. So als ob man sich für sein Haus ein Fiesta-Paket zum Draufsatteln bestellen würde. Jeder Vorgarten sah ähnlich aus: eine Landschaft aus Kakteen und Felsen. Nur unserer war anders. Mutter hatte die Felsen etwas sanfter gestaltet mit dem Besten, was ihr Heimatstaat zu bieten hatte: Sie hatte auf unser tausend Quadratmeter großes Grundstück Rosenbüsche und Bradford-Birnbäume gepflanzt. Ich bin sicher, dass man in der örtlichen Baumschule noch nie etwas von Bradford-Birnbäumen gehört hatte, als meine Mutter vier davon bestellte. Mutter war ganz und gar in ihre Arbeit vertieft, während ich sie an ihrem Zeichentisch beobachtete. Ihre schlanken Finger die Nägel dezent lackiert drückten fest auf den Bleistift, als sie sorgfältig die Worte auf die Vorderseite der Klappkarte schrieb, die sie aus weißem Tonpapier ausgeschnitten hatte. Diese Vorzeichnung mit Bleistift war nur ein grober Entwurf, der sicherstellen sollte, dass die Buchstaben mittig und in gleichmäßigem Abstand angeordnet waren. Als Nächstes nahm sie ihren Füller mit der tiefschwarzen Tinte und malte langsam die Linien nach, bis die Buchstaben einer nach dem anderen erschienen. Wenn sie eine Karte vollendet hatte, nahm sie die nächste zur Hand, bis alle zehn Karten in perfekt angeordneter Schrift die Worte verkündeten: Herzliche Einladung zum 6. Geburtstag von Katherine Grace Green Wochenlang hatte meine Mutter ihre gesamte kreative Energie investiert, um einen unvergesslichen Tag für mich zu planen. Sie selbst konnte sich nicht daran erinnern, als Kind auch nur einen Kuchen zum Geburtstag bekommen zu haben, nicht einmal einen gekauften. Und so hatte sie sich geschworen, dass ihre eigenen Töchter sich immer an ihre Geburtstagsfeiern würden erinnern können. Sie begann, indem sie ein Motto auswählte; alles, was meine Mutter tat, hatte ein bestimmtes Motto. Ob Einladungen, Spiele, Kuchen oder kleine Geschenke zum Mitgeben alles passte zusammen und wurde für den großen Tag mühsam geschrieben, gemalt oder gebacken. Zu meinem sechsten Geburtstag, so hatte sie beschlossen, sollten alle Motive aus Comics stammen. Wochenlang hatten wir entsprechende Zeitschriften gesammelt und nun drückte meine Mutter mir eine abgerundete Bastelschere in die Hand, damit ich einen fünfzehn Zentimeter langen Cartoon-Streifen mit Goofy ausschneiden konnte. Ich klebte ihn auf die Innenseite einer Klappkarte und fügte noch ein paar abgetippte Informationen hinzu, um meiner besten Freundin Andrea klarzumachen, dass sie nicht nur zu meiner Party eingeladen war, sondern auch in Verkleidung dieser Disney-Figur erscheinen sollte. Auf jeden Fall würde es Preise für die besten Kostüme geben. Meine Mutter ließ mich meine Comicfigur aussuchen. Ich entschied mich für Linus, damit ich eine blaue Decke herumtragen und Snoopy (meiner Freundin Susie) folgen konnte. Meine Schwester Allyson, nur eineinhalb Jahre älter als ich, war ganz verrückt nach Disney-Prinzessinnen und wollte gern Cinderella sein, damit sie ihr blondes Haar zu einem Knoten binden und in einem langen blauen Mantel herumlaufen konnte. Meine Mutter aber sprach sich dagegen aus, denn Cinderella ist schließlich keine Comicfigur. Also ließ Allyson sich widerwillig als Lucy von den Peanuts verkleiden. Meine älteste Schwester Louise war zwölf Jahre alt und schon meilenweit davon entfernt, an der Geburtstagsfeier ihrer kleinen Schwester teilzunehmen. Sie erklärte sich jedoch bereit, mit auf die kleinen Gäste aufzupassen. Verkleiden wollte sie sich allerdings nicht, was für meine Mutter eine herbe Enttäuschung war, wo sie es doch so sehr gern hatte, uns drei Mädchen für den Gottesdienst sonntags im Partnerlook anzukleiden. Schließlich kam der große Tag und ich konnte vom Küchenfenster aus sehen, wie meine Freundinnen an unserer Haustür erschienen. Andrea kam als Goofy, Nancy als Minnie Maus, Beth als Beetle Bailey. Mütter und Töchter bevölkerten unsere vordere Veranda, bestaunten die kreativen Kostüme der Gäste, vor allem aber den genialen Erfindungsreichtum meiner Mutter. Lindsay, ich weiß gar nicht, wie du immer auf all diese Partyideen kommst! Ich kann noch nicht einmal eine gerade Linie zeichnen, geschweige denn Kalligrafie. Woher nimmst du nur die Zeit dafür? Meine Mutter winkte…
Weitere Informationen
- Allgemeine Informationen
- GTIN 09783963620515
- Übersetzer Anja Findeisen-MacKenzie
- Sprache Deutsch
- Auflage Auflage
- Größe H211mm x B142mm x T30mm
- Jahr 2019
- EAN 9783963620515
- Format Fester Einband
- ISBN 978-3-96362-051-5
- Veröffentlichung 04.03.2019
- Titel "Und wo sind hier die Betten?"
- Autor Kathy Izard
- Gewicht 399g
- Herausgeber Francke-Buch GmbH
- Anzahl Seiten 270
- Lesemotiv Entdecken
- Genre Philosophie- & Religion-Biografien