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Auf der Seeseite der Kunst
Details
Welche Bedeutung hatte das Kunstschaffen in der Klinik für Patientinnen und Patienten? In welcher Form haben sie sich künstlerisch geäussert? Und welche Bedeutung hatten die entstandenen Werke für die behandelnden Ärzte? In dieser Publikation werden unterschiedliche Denk- und Forschungsansätze psychiatrische, medizinhistorische, historische und kunstwissenschaftliche zusammengebracht. Die Psychiatrische Klinik Münsterlingen, gegründet 1840, ist eine der ältesten in der Schweiz. Sie feiert 2015 ihr 175-Jahr-Jubiläum. Im Thurgau bedeutete 'von der Seeseite' die Herkunft von der unmittelbar am Seeufer gelegenen Heil- und Pflegeanstalt (während das Kantonsspital auf der Landseite der Bahnlinie liegt). In den Krankenakten der Klinik finden sich 249 Zeichnungen von Patientinnen und Patienten aus dem Zeitraum 18941960. Vor allem die Psychiater Hermann Rorschach, 19091913 Assistenzarzt, und Roland Kuhn, 19391980 Oberarzt und später Direktor in Münsterlingen, bewahrten die Zeichnungen auf. Für die Patientinnen und Patienten bedeutete zu zeichnen eine Form der Selbstgestaltung, des Pläneschmiedens und Nachdenkens, es bedeutete, sich Gesellschaft zu erfinden. Es stand für Bildung, Professionalität und Kunst und war Ausdruck des Wunsches nach Teilhabe am öffentlichen Leben. Nur vermeintlich im Abseits entstanden, zeichnet der Bestand aus Münsterlingen so ein scharfes Zeitbild der Schweiz. Die Werke, ebenso wie eine Auswahl von Werken aus dem Nachlass Hermann Rorschachs, werden hier erstmals vorgestellt.
Autorentext
Dr. med. Dipl.-Psych. MBA, Gerhard Dammann, geb. 1963 als Auslandschweizer in Oran/Algerien; Studium der Humanmedizin, Psychologie und Gesundheitsökonomie in Tübingen, Paris, Basel und Lüneburg; Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Facharzt für Psychosomatische Medizin, Fachpsychologe für Klinische Psychologie FSP, Psychoanalytiker; seit Dezember 2006 Ärztlicher Direktor der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen und Spitaldirektor der Psychiatrischen Dienste Thurgau; Veröffentlichungen zu Diagnostik und Therapie schwerer Persönlichkeitsstörungen sowie Wochenbettdepression, Psychotraumatologie und Art Brut.
Klappentext
Die Psychiatrische Klinik Münsterlingen ist eine der ältesten in der Schweiz. Sie wurde 1840 im gleichnamigen Kloster direkt am Bodensee eröffnet. Im Kanton Thurgau bürgerte es sich deshalb ein, von der psychiatrischen Klinik als «der Seeseite» zu sprechen. Zum 175-Jahr-Jubiläum veranstaltet die Klinik im Museum im Lagerhaus in St. Gallen und im Staatsarchiv des Kantons Thurgau in Frauenfeld eine Ausstellung der Zeichnungen von Patientinnen und Patienten. Die Blätter entstanden im ersten Jahrhundert des Bestehens der Klinik und wurden den Krankenakten beigelegt. Der fast taube Konrad B. brachte sich das Zeichnen anhand von Inseraten selber bei, und der Psychiater Hermann Rorschach kaufte ihm 1910 mehrere seiner ornamentalen Blätter für 20 oder 50 Rappen oder einen Franken ab. Franz Sch. entwarf ein Utopia, welches den Oberarzt Roland Kuhn dazu anregte, in einer Abhandlung über die Bedeutung der Umgrenzung zu sinnieren. Das Bildermachen in der Anstalt war um 1900 einer der Wege, auf dem Patientinnen wie Psychiater «Bedeutung» (oder verschiedenste kontroverse Bedeutungen) hervorbrachten. Hier trat das Schaffen von Patienten in einen diskursiven Zusammenhang, der rekonstruiert werden kann, weil seinetwegen die Werke überlebten.
Inhalt
Katrin Luchsinger, André Salathé, Gerhard Dammann, Monika Jagfeld: Auf der Seeseite der Kunst André Salathé: Die Kunst der Archivare Urs Germann: Bildermachen in der Anstalt. Überlegungen zur Produktion des Visuellen in der Psychiatrie um 1900 Rita Signer: 'In der Verrücktheit das allgemein Menschliche, im Unsinn den Sinn suchen'. Hermann Rorschach und das künstlerische Schaffen in der Anstalt Gerhard Dammann: Roland Kuhns phänomenologische und daseinsanalytische Arbeiten zu Ästhetik und künstlerischem Schaffen Katrin Luchsinger: Ein Bestand als Zeitbild. Künstlerisches Schaffen in der Heil- und Pflegeanstalt Münsterlingen, 18941960 Jacqueline Fahrni, Katrin Luchsinger: Kurzbiografien Kathrin Linder: 'Das habe ich gemacht'. Eduard F.: Ein Abendmahl für Münsterlingen Monika Jagfeld: 'Auf einen tieferen Sinn ihrer Produktionen lässt sich nichts schliessen'. Meta Anderes im Spiegel Hans Prinzhorns Katrin Luchsinger: Sieben Farben: Konrad B. Katrin Luchsinger: Franz Sch.: Utopia Kathrin Linder: 'Freiheit will ich!' Die Zeichnungen des Wanderarbeiters Emil K. Monika Jagfeld: Künstlerisch gestaltende Therapie bei Karl H.
Weitere Informationen
- Allgemeine Informationen
- Sprache Deutsch
- Titel Auf der Seeseite der Kunst
- Veröffentlichung 31.01.2015
- ISBN 978-3-0340-1262-1
- Format Fester Einband
- EAN 9783034012621
- Jahr 2015
- Größe H297mm x B210mm x T17mm
- Untertitel Werke aus der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen 18941960
- Gewicht 660g
- Herausgeber Chronos Verlag
- Editor Kathrin Luchsinger, Gerhard Dammann, Monika Jagfeld, André Salathé
- Genre Sonstige Kunstbücher
- Lesemotiv Verstehen
- Anzahl Seiten 128
- GTIN 09783034012621