Die ehemalige Kolonie Deutsch-Südwestafrika: Kulturelle und sprachwissenschaftliche Relikte des Deutschen in Namibia

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Warum sprechen manche Menschen mitten in einer afrikanischen Republik Deutsch? Nach wie vor bezeugen heute Schilder in deutscher Sprache die damalige Kolonialherrschaft des Deutschen Reiches in Namibia. Viele deutsche Straßennamen erinnern an eine Zeit, die nunmehr fast hundert Jahre zurückliegt.
Die Untersuchung ist in drei Teile untergliedert. Der erste Teil ist ein kurzer historischer Abriss über die kulturelle Etablierung und Entwicklung der Kolonie Deutsch-Südwestafrika. Dabei werden wichtige Ereignisse und Gegebenheiten besprochen, die in der weiteren Studie von Bedeutung sind. Der zweite Teil beschäftigt sich mit kulturologischen und sprachwissenschaftlichen Aspekten. Der Schwerpunkt liegt hier auf anthropozentrischen Erscheinungen sowie auf den Bereichen Identität und Ethnizität der deutschsprachigen Minderheit, sowohl während der Kolonialzeit als auch im heutigen Namibia. Der dritte Teil beinhaltet ausgewählte Aspekte und sprachliche Beispiele, anhand denen Besonderheiten der deutschen Sprache in Namibia aufgezeigt, analysiert und mit dem Deutschen in Deutschland verglichen werden.

Leseprobe
Textprobe:
Kapitel 1.3.2, Das deutschsprachige Schulwesen in Namibia:
In Namibia gibt es 18 Kindergärten und Horte, an denen Deutsch gesprochen und gelehrt wird, von denen sich zehn in Windhoek befinden. Von den 43 Schulen in Namibia, an denen Deutsch unterrichtet wird, befinden sich 20 in Windhoek. Die Schulen heißen meistens Sekundarschule (Secondary School), Oberschule (High School) oder Privatschule (Private School). Beim letzteren Schultyp ist für gewöhnlich auch eine Grundschule eingerichtet. Auffällig ist, dass keine der Schulen eine typisch deutsche Bezeichnung wie Gymnasium, Realschule oder Gesamtschule trägt.
Bei der Verteilung der Bildungseinrichtungen wird deutlich, dass die Hauptstadt Namibias für die Deutschsprachigen der wichtigste Kultur- und Lebensstandort darstellt und somit zahlenmäßig auch am dichtesten von Deutschsprachigen besiedelt ist: Schätzungsweise über die Hälfte der Deutschsprachigen lebt in der Hauptstadt (Pütz 1995 : 251).
Was die Beschaffenheit des Deutschunterrichts im Lehrplan betrifft, bieten fünf Schulen nur Deutsch als Muttersprache an, 31 Schulen bieten nur Deutsch als Fremdsprache an, und sieben Schulen haben beide Fächer im Angebot, jeweils staatliche und private Schulen zusammengenommen (ibidem: 8f.) Unabhängig davon ist die Frage, welche Sprache als Unterrichtssprache in allen anderen Fächern eingesetzt wird. An staatlichen Schulen wird ab der vierten Klassenstufe nur auf Englisch unterrichtet, während bis einschließlich zur dritten Klassenstufe gleichzeitig ein Zweig in einer anderen Unterrichtssprache angeboten werden kann, zum Beispiel auf Deutsch oder in einer indigenen Sprache. Der Grund für diese Einschränkung liegt darin, dass der namibische Staat den staatlichen Schulen nur für die ersten drei Schuljahre der Grundschule zusätzliche finanzielle Mittel für diese didaktische Herausforderung zur Verfügung stellt (Maier 2007: 14). Dafür herrscht an allen namibischen Grundschulen zusammengenommen eine große Vielfalt an Sprachen: Insgesamt wird in 13 Unterrichtssprachen gelehrt, davon sind drei europäisch und zehn indigene Sprachen (Brock-Utne 1997: 241).
Privatschulen dürfen selbstverständlich von dieser Gesetzesregelung abweichen und machen dies auch meistens, indem zum Beispiel deutschsprachige Schulen Deutsch als Unterrichtssprache auch für ältere Jahrgänge anbieten, manchmal sogar bis zum Abitur. An allen deutschsprachigen Schulen belegen die Schüler eines der Fächer Deutsch als Fremdsprache oder Deutsch als Muttersprache. (Springer 2009: 1) Vor allem Privatschulen bieten gezielt internationale Schulabschlüsse an. Darunter fallen das NSSC (Namibian Senior Secondary Certificate), das in Namibia und Südafrika anerkannt wird, sowie die DIAP (Deutsche Internationale Abiturprüfung), die in Deutschland, Österreich, Liechtenstein, Luxemburg und der Schweiz als Hochschulzugangsberechtigung akzeptiert wird (Fischer 2007: 26).
Was den Nachwuchs an Deutschlehrern in Namibia anbelangt, herrscht gravierender Personalmangel. (Göbel 2007: 3) Zu wenige Studenten schreiben sich in die Studiengänge Deutsch als Fremdsprache oder Deutsch als Muttersprache an der Universität in Windhoek ein, weshalb nicht ausreichend Lehramtsabsolventen zur Verfügung stehen, die diese Lücke schließen könnten (Gretschel 2007: 10). Selbst unter diesen ohnehin wenigen Studenten steuern viele einen Beruf in der freien Wirtschaft an (Kanzler 2007: 23). Die deutsche Sprache wird immer mehr nur ein Mittel zum Zweck. Die Pragmatik siegt auch hier wieder über die Identität, in diesem Fall geht es um Deutsch.
Der dominierende, pragmatische Gedanke zeigt sich in alltäglichen Situationen, auch im schulischen Bereich. So schreibt Miriam Göbel, eine Deutschlehrerin an der Delta-Oberschule in Windhoek, über eine muttersprachliche Deutschschülerin:
Ein Vater berief sich in Gesprächen immer wieder auf seinen Stolz dem Deutschen gegenüber: Er bewunderte Goethe, Schiller und

Weitere Informationen

  • Allgemeine Informationen
    • Sprache Deutsch
    • Titel Die ehemalige Kolonie Deutsch-Südwestafrika: Kulturelle und sprachwissenschaftliche Relikte des Deutschen in Namibia
    • Veröffentlichung 30.10.2014
    • ISBN 978-3-95850-651-0
    • Format Kartonierter Einband
    • EAN 9783958506510
    • Jahr 2014
    • Größe H220mm x B155mm x T7mm
    • Autor Leszek Jaworowski
    • Gewicht 160g
    • Auflage Ungekürzte Ausgabe
    • Genre Allgemeine & vergleichende Sprachwissenschaft
    • Anzahl Seiten 92
    • Herausgeber Diplomica Verlag
    • GTIN 09783958506510

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