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Digitale Arbeit
Details
Allerorts ist von der Digitalisierung der Arbeitswelt die Rede. Doch wie vollzieht sie sich eigentlich? Welche Bereiche erfasst sie? Und welche Folgen haben die neuen Technologien für Menschen und Organisationen? In dieser Einführung nimmt der Autor sowohl grundlegende Entwicklungen wie die Entgrenzung und Rationalisierung der Arbeit als auch hochaktuelle Phänomene wie die Sharing Economy, Crowdwork oder Data Economy in den Blick.
»Eine solide Grundlage« Tamara Tischendorf, Deutschlandfunk, 20.01.2020 »Papsdorfs Buch liefert eine überzeugende Zusammenfassung des aktuellen Forschungsstandes zum Thema digitale Arbeit. Durch die sehr gute Strukturierung lässt sich die benötigte Information leicht finden und memorieren.[] Es klagt nicht an und lobt auch nicht. Vielmehr ist es ein gutes Ergebnis der digitalen Arbeit als Arbeitsgegenstand.« Petre Sora, Socialnet, 03.04.2020
Autorentext
Christian Papsdorf ist Juniorprofessor für Techniksoziologie an der TU Chemnitz.
Leseprobe
1 Einleitung Arbeit und Technik sind seit jeher eng miteinander verbunden. So sind bestimmte Technologien notwendig, um spezifische Produkte herzustellen oder Dienstleistungen zu erbringen. Darüber hinaus sind Prozesse der Technisierung mit den Zielen der Arbeitsersparnis, Effektivitätssteigerung und Prozesskontrolle verknüpft. Der Einsatz von Technik zielt folglich auch darauf ab, menschliche Arbeit zu ersetzen und zu verändern (Pfeiffer 2018: 321). Während bis in die 1970er Jahre Technik primär eingesetzt wurde, um Limitationen der körperlichen Leistungsfähigkeit von Menschen zu überwinden, wird ihr spätestens seit der Einführung des Computers eine neue Rolle zuteil: Mit der digitalen Technik haben sich nahezu alle Dimensionen gesellschaftlicher Arbeit gewandelt. Wenngleich der Prozess in unterschiedlichen Organisationen, Branchen und Ländern sehr unterschiedlich verläuft, haben sich die Qualifikationsanforderungen, Arbeitsinhalte, Kooperationsformen, Belastungen, Entlohnungsstrukturen und auch die Arbeitsmittel flächendeckend verändert. Nicht zuletzt stellen Algorithmen und Roboter die arbeitenden Menschen vor grundlegende Herausforderungen, etwa wenn sie Tätigkeiten übernehmen, die bisher ausschließlich von Menschen ausgeführt wurden (Voß 2018a). Wenn von der Digitalisierung der Arbeitswelt die Rede ist, handelt es sich also längst nicht mehr um ein Nischenphänomen, das nur in bestimmten Branchen bedeutsam ist. Ganz im Gegenteil avancierte die Digitalisierung zum zentralen Veränderungsmotor moderner Arbeit. Diese Tatsache bildet auch den Anlass für das vorliegende Einführungsbuch. Studierende, aber auch Absolventinnen und Absolventen sehen sich mit einer Arbeitswelt konfrontiert, in der beispielsweise 83 Prozent aller Beschäftigten im gesamten Dienstleistungssektor von der Digitalisierung betroffen sind (Verdi 2017: 20). Gleichwohl fehlt bis heute ein Buch, das wesentliche Spielarten, Voraussetzungen und Konsequenzen digitaler Arbeit zum Gegenstand hat. Dies mag mit zwei Besonderheiten der Digitalisierung der Arbeitswelt in Zusammenhang stehen. Erstens handelt es sich inzwischen um einen äußerst vielgestaltigen Prozess, der sowohl Produktions- als auch Dienstleistungsarbeit umfasst, von dem gleichermaßen Angestellte und Selbständige betroffen sind und der gleichzeitig alte Ungleichheiten beseitigt und neue entstehen lässt und deshalb in seiner Gänze schwer zu umreißen ist. Zweitens ist das Thema verhältnismäßig jung und von einer großen Dynamik geprägt. Folglich liegen für bestimmte Aspekte nur in sehr begrenztem Umfang wissenschaftliche Untersuchungen vor. Derartige Limitationen werden an den entsprechenden Stellen als solche transparent gemacht, sollen jedoch kein Hindernis für dieses Einführungsbuch darstellen. Gleichwohl handelt es sich nicht um ein klassisches Einführungsbuch, das von der Fachgemeinschaft geteiltes und mehr oder minder anerkanntes Wissen referieren kann. Stattdessen versucht es sich an einer Strukturierung des Gegenstandes, die einen Überblick über die hochgradig unterschiedlichen Einzelprozesse und -phänomene ermöglichen soll. Das vorliegende Buch widmet sich daher vor allem grundlegenden Strukturen und Folgen digitaler Arbeit, wie sie für moderne westliche Länder typisch sind, und abstrahiert von allzu kleinteiligen Phänomenen und Entwicklungen. Darüber hinaus kann angesichts des begrenzten Umfangs nicht allen Facetten der Digitalisierung der Arbeit Rechnung getragen werden. Es werden diejenigen Aspekte behandelt, die aufgrund ihrer Verbreitung den Arbeitsmarkt stark prägen, die als charakteristisch für digitale Arbeit gelten können oder denen großes Transformationspotenzial für die nahe Zukunft zugeschrieben wird. Statistiken und dergleichen werden eher sparsam eingesetzt, da diese angesichts der großen Dynamik schon bei der Drucklegung veraltet wären. Das Buch richtet sich in erster Linie an Studierende der Sozialwissenschaften, ist aber so gestaltet, dass interessierte Studierende aus den Wirtschaftswissenschaften, der Psychologie, den Arbeitswissenschaften, der Pädagogik und weiteren benachbarten Disziplinen ebenso eine problemlose Lektüre erwarten können. Darüber hinaus adressiert es Leserinnen und Leser, die sich bereits in der Berufspraxis befinden und sich mit digitalisierungsbedingten Veränderungen tagtäglich konfrontiert sehen. Am Ende jedes Kapitels werden für die Wissenschaft und Praxis relevante Fragen aufgeführt, die zum Weiterdenken und Verändern anregen sollen. Dem Ziel folgend, das komplexe Feld in ein handhabbares Format zu überführen, liegt dem Buch eine zweifache Strukturierung zugrunde. Erstens werden vier Perspektiven auf die Digitalisierung der Arbeit unterschieden. Aus den drei zentralen Elementen digitaler Arbeit, den Individuen, den Organisationen und der Technik, werden drei spezifisch soziologische Perspektiven entwickelt, die jeweils zwei der Elemente miteinander verbinden. Ergänzt werden diese Blickwinkel durch eine vierte Perspektive, die gesamtgesellschaftliche Entwicklungen im Kontext digitaler Arbeit fokussiert. Zweitens werden bei der digitalen Arbeit als solcher fünf Formen voneinander differenziert. So lässt sich digitale Arbeit ohne das Internet von digitaler Arbeit am Internet, digitaler Arbeit mit dem Internet, digitaler Arbeit im Internet und digitaler Arbeit durch das Internet unterscheiden. Auf der Basis dieser doppelten Strukturierung kann eine differenzierte Analyse der Digitalisierung der Arbeitswelt erfolgen, indem die fünf Varianten digitaler Arbeit jeweils aus vier Perspektiven untersucht werden. Nach dieser Einleitung bietet Kapitel 2 eine erste Annäherung an den Gegenstand. Dafür werden zunächst wesentliche Phänomene digitaler Arbeit in verschiedenen Wirtschaftsbereichen beschrieben. Anschließend wird geklärt, was überhaupt unter Arbeit und Digitalisierung zu verstehen ist und welche Ansätze den theoretischen Hintergrund des Buches bilden können. Danach wird die historische Entwicklung knapp umrissen. Kapitel 3 entwickelt die vier Perspektiven auf digitale Arbeit. Zu Beginn werden im Hinblick auf das Individuum, die Organisationen und die Technik einige Forschungslinien aus relevanten Disziplinen skizziert. Darauf aufbauend werden drei soziologische Perspektiven eingeführt, die jeweils zwei dieser Bereiche verbinden. Im Spannungsfeld von Individuum und Organisation wird nach den vielfältigen Entgrenzungsphänomenen (das heißt nach der Auflösung von bisher getrennten Sphären, beispielsweise der Arbeitszeit und Freizeit) gefragt. Im Spannungsfeld von Individuum und Technik werden die spezifischen Arbeits- und Handlungsformen in sogenannten soziotechnischen Systemen (das heißt in Kontexten, in denen Mensch und Technik gemeinsam agieren) thematisiert, während im Spannungsfeld von Organisation und Technik Rationalisierungsstrategien (das heißt Maßnahmen zur Erhöhung der Produktivität und Profitabilität) im Vordergrund stehen. Ergänzend wird eine vierte Perspektive vorgeschlagen, die ge…
Weitere Informationen
- Allgemeine Informationen
- GTIN 09783593511306
- Auflage 1. A.
- Sprache Deutsch
- Größe H214mm x B142mm x T13mm
- Jahr 2019
- EAN 9783593511306
- Format Kartonierter Einband
- ISBN 978-3-593-51130-6
- Veröffentlichung 15.11.2019
- Titel Digitale Arbeit
- Autor Christian Papsdorf
- Untertitel Eine soziologische Einführung
- Gewicht 260g
- Herausgeber Campus Verlag GmbH
- Anzahl Seiten 198
- Lesemotiv Verstehen
- Genre Arbeits-, Wirtschafts- & Industriesoziologie