Eine Frau bei 1000°

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Details

Drei Söhne von neun Männern, das ist genug.
In ihrer Garage surft die
80-jährige Herbjörg durchs Internet und begleicht letzte Rechnungen, während der
Ofen für ihre Einäscherung heißläuft. Hallgrímur Helgasons neuer Roman ist ein
Parforceritt durch die Geschichte des 20.Jahrhunderts: anrührend und voll
isländischer Skurrilität.

»Ich lebe hier allein in einer Garage, zusammen mit einem Laptop und einer
alten Handgranate. Es ist wahnsinnig gemütlich.«

»Ich möchte einen Termin für eine Einäscherung buchen.«
»Einen Termin
buchen?«
»Genau.«
»Aha. Ja ... wie war noch mal der Name?«
»Herbjörg
María Björnsson.«
»Hallo? Ich kann den Namen in der Liste nicht finden. Haben
Sie den Antrag auf Einäscherung schon eingereicht?«
»Nein, nein. Ich möchte
einen Termin für mich buchen. Für mich selbst.«
»Naja, wir bearbeiten ihn
nicht, bevor ... na, Sie wissen schon ... also bevor, äh ..., bevor die Leute
tot sind, okay?«
»Gut. Wenn es so weit ist, werde ich tot sein. Darauf können
Sie sich verlassen. Also, wenn's eng wird, komme ich einfach vorbei, und ihr
schiebt mich lebend in den Ofen.«


» die absurden Konstellationen in diesem schwarzhumorigen Roman sind unausweichlich, bieten aber uneingeschränktes Lesevergnügen.« Stefan Hauck, Buchjournal, 4/2011

Vorwort
»Dieses Buch gefällt nicht. Es rockt!« Andrea Ritter, Stern

Autorentext
Hallgrímur Helgason, geboren 1959 in Reykjavík, besuchte nach dem Studium an der Hochschule für Kunst und Kunstgewerbe in Reykjavík für ein Jahr die Kunstakademie in München. Seinen Durchbruch feierte er 1996 mit dem Roman 101 Reykjavík, der kurze Zeit später verfilmt wurde. Es folgten die Bestseller Zehn Tipps, das Morden zu beenden und mit dem Abwasch zu beginnen (2008) und Eine Frau bei 1000° (2011). Helgason ist einer der international erfolgreichsten Autoren Islands. Zuletzt sind von ihm bei Tropen erschienen: Seekrank in München (2015) und 60 Kilo Sonnenschein (2020).

Zusammenfassung

Drei Söhne von neun Männern, das ist genug.
In ihrer Garage surft die
80-jährige Herbjörg durchs Internet und begleicht letzte Rechnungen, während der
Ofen für ihre Einäscherung heißläuft. Hallgrímur Helgasons neuer Roman ist ein
Parforceritt durch die Geschichte des 20.Jahrhunderts: anrührend und voll
isländischer Skurrilität.

»Ich lebe hier allein in einer Garage, zusammen mit einem Laptop und einer
alten Handgranate. Es ist wahnsinnig gemütlich.«

»Ich möchte einen Termin für eine Einäscherung buchen.«
»Einen Termin
buchen?«
»Genau.«
»Aha. Ja ... wie war noch mal der Name?«
»Herbjörg
María Björnsson.«
»Hallo? Ich kann den Namen in der Liste nicht finden. Haben
Sie den Antrag auf Einäscherung schon eingereicht?«
»Nein, nein. Ich möchte
einen Termin für mich buchen. Für mich selbst.«
»Naja, wir bearbeiten ihn
nicht, bevor ... na, Sie wissen schon ... also bevor, äh ..., bevor die Leute
tot sind, okay?«
»Gut. Wenn es so weit ist, werde ich tot sein. Darauf können
Sie sich verlassen. Also, wenn's eng wird, komme ich einfach vorbei, und ihr
schiebt mich lebend in den Ofen.«


Leseprobe


1

MODELL 1929

2009

Ich lebe allein in einer Garage, zusammen mit einem Laptop und einer alten Handgranate. Wir haben es wahnsinnig gemütlich. Das Bett ist ein Krankenhausbett, andere Möbel brauche ich nicht, bis auf ein Klo, dessen Benutzung ich enorm beschwerlich finde. Der Weg ist furchtbar weit. Dreimal täglich muss ich mich diese Via Dolorosa entlangschleppen wie ein rheumatisches Gespenst. Ich träume von Katheter und Bettpfanne, aber die Anträge dafür stecken irgendwo im System fest. Wir haben es alle nicht leicht.

Fenster gibt es nur eins, doch die Welt kommt auf dem Bildschirm zu mir. Mails gehen ein und aus, und das liebe Facebuch wird immer dicker. Gletscher schmelzen, Präsidenten werden schwärzer, und Menschen beweinen den Verlust von Autos und Häusern. Die Zukunft wartet am Gepäckband, lächelnd und mit Schlitzaugen. Ja, ja. Von meinem weißen Bett aus beobachte ich alles. Ich liege da wie eine bedürfnislose Leiche und warte abwechselnd auf den Tod oder auf jemanden mit einer lebensverlängernden Spritze. Sie kommen zweimal täglich, die Mädchen vom Häuslichen Pflegedienst Reykjavík. Die von der Frühschicht ist ein liebes Ding, die Spätschichtscheuche hat kalte Hände und Mundgeruch und leert die Aschenbecher mit mürrisch saurer Miene.

Wenn ich mein Auge zur Welt schließe, das Licht lösche und herbstliches Dunkel den Schuppen erfüllt, dann kann ich durch ein kleines Fensterchen hoch oben in der Wand die berühmte Friedenssäule erkennen. Jetzt ist der selige John Lennon doch noch zu einem Licht geworden wie der Waldgott in einem Gedicht von Ovid und erleuchtet in langen Nächten die Meerengen. Seine Witwe war so nett, ihn senkrecht in mein Blickfeld zu stellen. Ich nehme ihn als Nachttischkerze und wünsche ihm eine Gute Nacht.

Natürlich kann man sagen, ich würde hier in der Garage vor mich hin gammeln wie eine ausrangierte Karre. Das habe ich auch einmal zu Gujón gesagt. Er und Dóra vermieten mir den Schuppen für 65 000 Kronen im Monat. Gujón hat gelacht und mich Oldsmobile getauft. Im Netz habe ich ein Bild von einem Oldsmobile Viking gefunden, 1929er Modell. Ich wusste echt nicht, dass ich schon so verdammt alt bin. Das Ding sah aus wie eine aufgemotzte Pferdekutsche.

Ich kann mich nicht bewegen, ohne außer Atem zu kommen, bin den Nichtbegrabenen, wie man in alten Zeiten gesagt hat, nur noch eine Last. Derart schwach sind die Lungen nach jahrzehntelangem Rauchen. Eine »Sauerstoffmaske« mit anhängender Nasensonde haben sie mir angeboten, aber um so eine Pressluftflasche zu bekommen, müsste ich dem Gott Nikotin abschwören »wegen der Brandgefahr«! Über weite Strecken hat er mir allerdings besser getan als die meisten anderen, lieber gebe ich den Geist auf als ihn. Deshalb schnaufe ich wie eine alte Dampflok, und die Wege zum Klo bleiben mein täglicher Bußgang. Zuhause auf den Svefneyjar-Inseln gab es eine Höhle direkt am Meer, die man den Knabenkasten nannte; das war jahrhundertelang nichts als ein Scheißhaus für die Männer.

Ach, ich komme vom einen aufs andere, und das eine oder andere kommt über mich. Wenn man ein ganzes Internet an Erlebnissen hinter sich hat, eine Schiffsladung voller Tage, dann fällt es schwer, auszusortieren und eins vom anderen getrennt zu halten. Entweder erinnere ich mich an alles auf einmal oder an gar nichts.

Ach ja, den lieben Landsleutchen ist wohl neulich das System abgeschmiert; ein Jahr ist es jetzt her. Die Krankenschwestern und Dóra meinen, die Stadt stehe immer noch. Reykjavík sehe man den Zusammenbruch nicht an, im Gegensatz zu Berlin, wo ich dummes Stück bei Kriegsende herumgeturnt bin. Ich weiß ja nicht, was besser ist, real oder auf Pump zugrunde zu gehen. Allerdings weiß ich, dass meinem Dundi die Luft ausgegangen ist wie einem Luftballon, dabei war sowieso schon nicht mehr viel mit ihm los. Er hat bei der KB-Bank gearbeitet und seinen Kurs an das Flackern auf seinem Bildschirm gekoppelt, irgendeine rote Linie, die er mir einmal ganz stolz gezeigt hat.

Ich selbst hatte einfach einen Riesenspaß an dem ganzen »Zusammenbruch«. Die ganzen Wirtschaftswunderjahre hindurch war ich ans Bett gefesselt. Die Habgier um mich herum fraß mir am Ende alle Ersparnisse auf, und deshalb tat es mir nicht leid, als die ganze Kohle verbrannte. Geld spielt für mich längst keine Rolle mehr. Wir rackern uns das ganze Leben lang ab, um etwas für das Alter beiseitezulegen. Dann kommt das Alter und hat mit Geld gar nichts zu tun. Ach, das will ich denn doch nicht sagen; es wäre natürlich nett gewesen, wenn ich mir ein deutsches Jüngelchen hätte kaufen können, das mir alter Matratzenhyäne dann halbnackt bei Kerzenschein Schiller hätte deklamieren müssen. Aber Frischfleischhandel ist hierzulande mit…

Weitere Informationen

  • Allgemeine Informationen
    • Sprache Deutsch
    • Gewicht 323g
    • Untertitel Roman. Aus den Memoiren der Herbjörg María Björnsson
    • Autor Hallgrímur Helgason
    • Titel Eine Frau bei 1000°
    • Veröffentlichung 12.06.2021
    • ISBN 978-3-608-50510-8
    • Format Kartonierter Einband
    • EAN 9783608505108
    • Jahr 2021
    • Größe H205mm x B125mm x T21mm
    • Herausgeber Tropen
    • Anzahl Seiten 400
    • Übersetzer Karl-Ludwig Wetzig
    • Auflage 1. Aufl. 2021
    • Genre Gegenwartsliteratur (ab 1945)
    • Lesemotiv Entspannen
    • GTIN 09783608505108

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