Erzählungen aus dem Leben

CHF 128.05
Auf Lager
SKU
7JL4760FH2G
Stock 44 Verfügbar
Geliefert zwischen Mo., 19.01.2026 und Di., 20.01.2026

Details

Ernst Derendinger (18831972) suchte nach Abschluss der Ausbildung zum Graphiker sein berufliches Glück in Deutschland und Finnland. Seit 1910 in Moskau tätig, hielten ihn die Zeitumstände (Erster Weltkrieg, Revolution, Bürgerkrieg und das schwierige Berufsumfeld in der Schweiz der Nachkriegszeit) davon ab, wieder in die Heimat zurückzukehren, bis er 1938 wie alle Ausländer die Sowjetunion doch noch verlassen musste. Seine ausführlichen Lebenserinnerungen, die er bald darauf niederschrieb, sind ein Zeitzeugnis von besonderem Wert. Einerseits zeichnen sie die Veränderungen des täglichen Lebens in Russland, vor allem in Moskau, von der ausgehenden Zarenzeit über die Not- und Hungerjahre von 1917 bis 1921, die 'goldenen Zwanziger' während der Zeit der Neuen Ökonomischen Politik bis hin zu den Aufbau-, Mangel- und Terrorjahren der frühen Stalinära detailliert nach. Andererseits porträtieren sie mit dem fotografischen Blick des Zeichners das Leben der 'kleinen Leute', die selten Selbstzeugnisse hinterlassen haben. Als Graphiker, der teils selbständig, teils im Lohnverhältnis arbeitete, kennt Derendinger sich auch in der Druckbranche bestens aus und vermag die Veränderungen innerhalb dieses Gewerbezweiges während der sowjetischen Zeit, die Arbeitsbedingungen und das Arbeitsklima aus eigener Anschauung eingehend zu beleuchten. Aber auch hochrangigen Vertretern der Sowjetmacht kam er zeitweise nahe: 1921 nahm er an Agitationskampagnen mit Propagandazügen teil und begleitete sogar den Staatspräsidenten Michail Kalinin auf einer Wolgafahrt. Über Ferienreisen und Kuraufenthalte erschloss er sich Teile des europäischen Russland sowie den Kaukasus und beschreibt eingehend auch seine dortigen Beobachtungen und Erlebnisse. Der Widerspruch zwischen den hehren Schlagworten sowjetischer Propaganda und dem Leben der hohen Funktionäre, wie er es kennen lernte, hat ihn - den Sozialisten - zu einem unerbittlichen Kritiker des Sowjetkommunismus, insbesondere des Stalinismus gemacht. Derendingers Rückblick auf seine Russlandjahre besticht durch Detailreichtum, erzählerische Kraft, weitgehende kulturelle Unvoreingenommenheit, die Fähigkeit, politischen Schein und reales Sein strikt zu trennen sowie durch seine Offenheit auch solchen Alltagsphänomenen gegenüber, die wie die Sexualität oder das Schlachten von Hunden und Katzen während der Hungerjahre in Selbstzeugnissen normalerweise tabuisiert bleiben.

Klappentext

Ernst Derendinger (1883-1972) suchte nach Abschluss der Ausbildung zum Graphiker sein berufliches Glück in Deutschland und Finnland. Seit 1910 in Moskau tätig, hielten ihn die Zeitumstände (Erster Weltkrieg, Revolution, Bürgerkrieg und das schwierige Berufsumfeld in der Schweiz der Nachkriegszeit) davon ab, wieder in die Heimat zurückzukehren, bis er 1938 wie alle Ausländer die Sowjetunion doch noch verlassen musste. Seine ausführlichen Lebenserinnerungen, die er bald darauf niederschrieb, sind ein Zeitzeugnis von besonderem Wert. Einerseits zeichnen sie die Veränderungen des täglichen Lebens in Russland, vor allem in Moskau, von der ausgehenden Zarenzeit über die Not- und Hungerjahre von 1917 bis 1921, die 'goldenen Zwanziger' während der Zeit der Neuen Ökonomischen Politik bis hin zu den Aufbau-, Mangel- und Terrorjahren der frühen Stalinära detailliert nach. Andererseits porträtieren sie mit dem fotografischen Blick des Zeichners das Leben der 'kleinen Leute', die selten Selbstzeugnisse hinterlassen haben. Als Graphiker, der teils selbständig, teils im Lohnverhältnis arbeitete, kennt Derendinger sich auch in der Druckbranche bestens aus und vermag die Veränderungen innerhalb dieses Gewerbezweiges während der sowjetischen Zeit, die Arbeitsbedingungen und das Arbeitsklima aus eigener Anschauung eingehend zu beleuchten. Aber auch hochrangigen Vertretern der Sowjetmacht kam er zeitweise nahe: 1921 nahm er an Agitationskampagnen mit Propagandazügen teil und begleitete sogar den Staatspräsidenten Michail Kalinin auf einer Wolgafahrt. Über Ferienreisen und Kuraufenthalte erschloss er sich Teile des europäischen Russland sowie den Kaukasus und beschreibt eingehend auch seine dortigen Beobachtungen und Erlebnisse. Der Widerspruch zwischen den hehren Schlagworten sowjetischer Propaganda und dem Leben der hohen Funktionäre, wie er es kennen lernte, hat ihn - den Sozialisten - zu einem unerbittlichen Kritiker des Sowjetkommunismus, insbesondere des Stalinismus gemacht. Derendingers Rückblick auf seine Russlandjahre besticht durch Detailreichtum, erzählerische Kraft, weitgehende kulturelle Unvoreingenommenheit, die Fähigkeit, politischen Schein und reales Sein strikt zu trennen sowie durch seine Offenheit auch solchen Alltagsphänomenen gegenüber, die wie die Sexualität oder das Schlachten von Hunden und Katzen während der Hungerjahre in Selbstzeugnissen normalerweise tabuisiert bleiben.

Weitere Informationen

  • Allgemeine Informationen
    • GTIN 09783034007351
    • Genre Neuzeit-Sachbücher bis 1918
    • Auflage 03.2006
    • Editor Christine Gehrig-Straube, Carsten Goehrke
    • Sprache Deutsch
    • Lesemotiv Auseinandersetzen
    • Anzahl Seiten 648
    • Größe H233mm x B164mm x T50mm
    • Jahr 2006
    • EAN 9783034007351
    • Format Fester Einband
    • ISBN 978-3-0340-0735-1
    • Veröffentlichung 10.03.2006
    • Titel Erzählungen aus dem Leben
    • Autor Ernst Derendinger
    • Untertitel Als Graphiker in Moskau von 1910 bis 1938
    • Gewicht 1137g
    • Herausgeber Chronos Verlag

Bewertungen

Schreiben Sie eine Bewertung
Nur registrierte Benutzer können Bewertungen schreiben. Bitte loggen Sie sich ein oder erstellen Sie ein Konto.
Made with ♥ in Switzerland | ©2025 Avento by Gametime AG
Gametime AG | Hohlstrasse 216 | 8004 Zürich | Schweiz | UID: CHE-112.967.470