Fürsprecherin des Alters

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Details

Viele haben schon von ihr gehört, und die meisten wissen auch, für wen und was sie heutzutage einsteht: die Stiftung Pro Senectute. Während sich die grösste gemeinnützige Organisation im Bereich der Altersvorsorge in der Schweiz grosser Bekanntheit erfreut, liegt ihre Entstehungsgeschichte weitgehend im Dunkeln. Die vorliegende Studie zeigt mit ihrer wissens- und politikhistorischen Perspektive auf, welche Rolle die 1917 gegründete «Fürsprecherin des Alters» beim Aufbau des Sozialstaats spielte und wie dieser ihre private Fürsorgearbeit prägte. Weil sich die Einführung der AHV bis 1948 verzögerte, begann die Stiftung «Für das Alter» (seit 1978 Pro Senectute) nach dem Ersten Weltkrieg, bedürftige alte Menschen mit Spendengeldern zu unterstützen. Auch der Bund sah in der privaten Fürsorge eine Übergangslösung, die es zu subventionieren galt. Ausgehend von dieser arbeits- und finanzteiligen Zusammenarbeit zeichnet die Studie nach, wie Sozialpolitiker, Beamte und Stiftungsmitarbeitende in der Zwischenkriegszeit eine Sozialstaatsentwicklung «von unten» forcierten und die Altersvorsorge als öffentlich-private Verbundaufgabe etablierten, die im internationalen Vergleich einzigartig ist. Die Studie macht zudem deutlich, wie sich die Kooperation zwischen der Stiftung und dem Staat auf die Praxis der Wohlfahrtsproduktion in der Schweiz auswirkte. Dazu gehört, dass die Einführung der AHV die Stiftung nicht verdrängte, sondern eine Neuorientierung zu einer Fach- und Dienstleistungsorganisation ermöglichte: statt auf die Bekämpfung der Altersarmut richtete sie ihre gemeinnützige Arbeit nach 1948 zunehmend auf die Gestaltung des Ruhestands aus.

Autorentext
Matthias Ruoss studierte Geschichte und Pädagogik in Bern und Berlin und ist zurzeit Oberassistent am Historischen Institut der Universität Bern sowie Lehrbeauftragter an der Berner Fachhochschule für Soziale Arbeit.

Klappentext

Obwohl die Schweiz von den Wirren des Ersten Weltkriegs weitgehend verschont blieb, verschärften sich auch hierzulande die sozialen Probleme und Spannungen aufgrund der Teuerung. Grosse Teile der Bevölkerung verarmten, darunter viele alte Menschen. In dieser gesellschaftlichen Krisensituation wurde 1917 in Winterthur die Stiftung ­ «Für das Alter» (seit 1978 Pro Senectute) gegründet. Die Studie erzählt die Geschichte dieser Stiftung und fokussiert dabei auf ihre Rolle im entstehenden Schweizer Sozialstaat. Als «Fürsprecherin des Alters» war es ihr ursprüngliches Ziel, sich für eine gesamtschweizerische Altersversicherung einzusetzen. Weil sich deren Einführung bis 1948 verzögerte, begann die Stiftung nach dem Ersten Weltkrieg, bedürftige alte Menschen mit Spendengeldern zu unterstützen. Auch der Bund und die Kantone sahen in der privaten Altersfürsorge eine sozialpolitische Übergangslösung, die es zu subventionieren galt. Ausgehend von dieser arbeits- und finanzteiligen Zusammenarbeit, untersucht der Autor, wie Sozialpolitiker, Beamte und Stiftungsmitarbeitende in der Zwischenkriegszeit eine typisch schweizerische Sozialstaatsentwicklung «von unten» forcierten und die Altersvorsorge als öffentlich-private Verbundaufgabe etablierten. Weiter wird gezeigt, wie die AHV die Altersfürsorge der Stiftung entlastete und ihre Neuorientierung möglich machte. Seit den 1950er Jahren richtete sie ihre gemeinnützige Arbeit verstärkt auf die Gestaltung des Ruhestandes aus. Zudem avancierte sie zu einer gefragten Expertin für Altersfragen, die immer häufiger politische Beratungsfunktionen übernahm.


Inhalt

  1. Einleitung I Die Stiftung «Für das Alter» in der sozialpolitischen Umbruchphase nach dem Ersten Weltkrieg 2. Die Stiftung «Für das Alter» und die Altersfrage 2.1 Die Lancierung des Hilfswerks «Pour nos Vieillards» 1917 2.2 Profilschärfung oder die Frage: «Wie helfen wir dem Alter?» 2.3 Altersnot statt Altersarmut: Die Neuproblematisierung des Alters 2.4 Der Plan Ammann von 1922 3. Aufbau und Institutionalisierung der Stiftung «Für das Alter» 3.1 Der Weg in die stiftungspolitische Unabhängigkeit 3.2 Öffentlichkeitsarbeit und das Ringen um Legitimität 3.3 Die Inszenierung als gesamtschweizerische Organisation Zusammenfassung Teil I II Entstehung und Ausbau eines gesamtschweizerischen Altersvorsorgesystems in den 1920er- bis 40er-Jahren 4. Die Konfiguration der Altersvorsorge in der Schweiz 4.1 Die frühen Debatten um den geeigneten sozialstaatlichen Schutz gegen Altersarmut 4.2 Die Stiftung «Für das Alter» als neue Sozialpartnerin des Bundes 4.3 1931: Eine grundlegende sozialpolitische Zäsur 5. Staatsentlastung durch Delegation: Die Einrichtung eines provisorischen Fürsorgesystems ab 1934 5.1 «Periculum in mora» oder der kalkulierte Umgang des Bundes mit der Fürsorgeinitiative 5.2 Die Alters- und Hinterlassenenfürsorge als Verbundaufgabe seit 1934 5.3 Die Einrichtung eines Subsystems zum Schutz älterer Arbeitsloser 6. Sozialpolitischer Systemwechsel im Kriegsjahrzehnt (19381948)? 6.1 Die Demografisierung der Sozialpolitik in den 1930er-Jahren 6.2 Das Comeback der AHV im Zweiten Weltkrieg 6.3 Das alte Fürsorgesystem und die Einführung der AHV 1948 Zusammenfassung Teil II III Die Stiftung «Für das Alter» im ausgebauten Sozialstaat der Nachkriegszeit 7. Die Produktion von neuem Wissen über das Alter(n) 7.1 Die Stiftung «Für das Alter» und die Anfänge der sozialmedizinischen Altersforschung in der Schweiz 7.2 Das gerontologische Versprechen: Praktische Alltagshilfe 7.3 Die Verwissenschaftlichung der Stiftung «Für das Alter» in den 1950er-Jahren 7.4 Exkurs: Die Gründung der International Association of Gerontology und ihr Einfluss auf die Schweiz 8. Kontinuitäten und Brüche in der Alterspflege der Stiftung «Für das Alter» 8.1 Rückblick: Die Alterspflege in der Zwischenkriegszeit 8.2 Freizeit statt Arbeit: Die Gestaltung des Ruhestands 8.3 Von der Wohnungsfrage zum selbstbestimmten Wohnen 9. Die Ausdifferenzierung einer sozialpolitischen Expertenkultur 9.1 Die sozialwissenschaftliche Altersforschung in der Schweiz 9.2 «Policy»-orientierte empirische Sozialforschung ein internationaler Trend 9.3 Verstärkte Nachfrage nach sozialpolitischer Expertise in der Schweiz Zusammenfassung Teil III 10. Schluss

Weitere Informationen

  • Allgemeine Informationen
    • Sprache Deutsch
    • Autor Matthias Ruoss
    • Titel Fürsprecherin des Alters
    • Veröffentlichung 31.10.2015
    • ISBN 978-3-0340-1311-6
    • Format Fester Einband
    • EAN 9783034013116
    • Jahr 2015
    • Größe H230mm x B155mm x T27mm
    • Untertitel Geschichte der Stiftung Pro Senectute im entstehenden Schweizer Sozialstaat (19171967)
    • Gewicht 655g
    • Auflage 1. A.
    • Genre Regional- und Ländergeschichte
    • Lesemotiv Verstehen
    • Anzahl Seiten 344
    • Herausgeber Chronos Verlag
    • GTIN 09783034013116

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