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Generativität und Bindungserfahrung in Lebensläufen von Psychotherapeuten am Beispiel von Donald W. Winnicott
Details
Künstlern wird oft eine psychische Prägung durch frühe Kindheitserlebnisse und anschließende kreative Verarbeitung nachgesagt. Bei Wissenschaftlern sieht eine fundierte Auseinandersetzung mit Biographie und theoretischem Werk meist anders aus. Gerade bei psychotherapeutisch tätigen Ärzten, Pädagogen, Psychologen und weiteren verwandten Fachgruppen ergibt sich eine forschungsrelevante Verbindung, da sich diese Wissenschaftler sowohl theoretisch als auch praktisch direkt mit der psychischen Entwicklung über den Lebenslauf hinweg beschäftigen.
Da es in dieser Untersuchung nicht allein um die reine Verarbeitung von Bindungsmustern in der frühen Kindheit gehen soll, wird im psychotherapeutischen Feld die reflektierte Form eines generativen Bandes erörtert, das von beispielhaften Forschern theoretisch verarbeitet wurde, um prospektive Theoreme der Erziehung, Therapie und Bildung der nächsten Generation weiterzugeben. Hierbei werden sowohl Fragestellungen der Biographie- und Lebenslaufforschung miteinbezogen, als auch bindungstheoretische Erkenntnisse zum Begriff der Generativität im Lebenszyklus, zur Adoleszenz, wie zu zeitgenössischer Kreativitätsforschung.
Paradigmatisches Beispiel für die Fusion dieser Entwicklungen ist der Lebenslauf und das Werk des Kinderarztes und Psychoanalytikers Donald W. Winnicott, von dem ein biographisches Fragment aus dem Nachlass in Bezug auf die Sinndimensionen von Generativität und früher Bindungserfahrung nach Ulrich Oevermanns Methode der Objektiven Hermeneutik analysiert wird.
Autorentext
Bernd Aschenbrenner, geboren 1978, promovierte im Jahre 2012 nach dem Studium der Neueren Deutschen Literatur, Theaterwissenschaft und Amerikanischen Literaturgeschichte in München. Nach seinem anschließenden Studium der Bildungswissenschaft begann er 2018 eine Ausbildung zum Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten in Heidelberg. Er ist Autor diverser Publikationen.
Leseprobe
Textprobe:
Kapitel 2.2: Frühe biographische Bindungserfahrungen anhand der Bindungs-, Objektbeziehungs- und Mentalisierungstheorie:
Wie biographische Erfahrungen mit Bindungspersonen in der Entwicklung theoretisch betrachtet werden können, soll im folgenden Teil geklärt werden. Ein geeigneter Rahmen für die hier zu untersuchenden Forscherlebensläufe ist die Bindungstheorie von John Bowlby. Diese wird anhand der aktualisierten Darstellungen von Peter Fonagy betrachtet, da dieser sowohl die ursprünglichen Grundlagen bei Bowlby, als auch das auf zeitgenössischem Forschungsstand stehende Konzept der Mentalisierung miteinander verbindet (vgl. Taubner 2015, S. 166). Die bildungswissenschaftliche Relevanz ergibt sich aus dem großen Einfluss der Mentalisierung im akademischen Feld, welche in der aktuellen psychodynamischen Forschung von nachhaltigem Einfluss ist (vgl. ebd.).
Fonagy belegt im Sinne der Bindungstheorie den zentralen Einfluss von Beziehungsprägungen in der frühen Kindheit hinsichtlich der psychischen Strukturbildung, womit die Bindungseffekte in Bezug auf eine bestimmte Bindungsperson eine nachweisbare Auswirkung auf die Sozialisation erhalten (vgl. 2009, S. 39-40). Fonagy bettet dies in psychoanalytische Forschungen ein, indem er die Objektbeziehungstheorie verwendet, bei der umfassende Fragestellungen der Entwicklung miteinbezogen werden (vgl. S. 90). Die Ursprünge der Objektbeziehungstheorie liegen bei ihrem wichtigsten Vertreter W. R. D. Fairbairn, der sie als komplexe Wechselbeziehung zwischen Säugling und Mutter definiert, die mit der Suche und Trennung nach einem versorgenden und sorgenden Objekt verbunden sind (vgl. 2007, S. 275).
Da diese Wechselbeziehung von Mutter und Kind nicht immer ausreichend funktioniert, konnte in näheren Untersuchungen in der Kleinkind- und Säuglingsforschung nachgewiesen werden, dass Kinder, die bei depressiven Müttern aufwachsen, in den meisten Fällen eine ungenügende Beziehungsfähigkeit entwickeln, da von diesen Müttern aufgrund ihrer Erkrankung die Affekte des Säuglings nicht ausreichend erwidert und gespiegelt werden (vgl. Fonagy 2009, S. 128). Aufgrund dieser Erkenntnisse betonte Daniel N. Stern grundlegend die ganzheitliche Beobachtung von Mutter und Kind auf einer zusammenhängenden Ebene, da in diesem geschlossenen System die Mängel der frühen Entwicklung entspringen (vgl. 1995, S. 203). Das hat allerdings weniger mit einer personenzentrierten Ursachenforschung zu tun, sondern betrifft vielmehr das Verständnis der zusammenhängenden Beziehungseinheit von Mutter und Säugling, die man in einem dynamischen Austauschverhältnis verstehen muss (vgl. Stern 1995, S. 3, vgl. Fonagy 2009, S. 142).
Die Bestätigung dieser Forschungsergebnisse durch die Bindungstheorie führte zum Beleg, dass die Funktion des gesamten psychischen Bewusstseinssystems nur sichergestellt sein kann, wenn ein Kleinkind eine ausreichend gute Beziehungsrepräsentation erfährt (vgl. Fonagy 2009, S. 129). Von Seiten der psychoanalytischen Forschung heißt dies, dass die grundlegende Leistung einer emotionalen Beziehungsarbeit erst die überlebensnotwendigen Bewusstseinsstrukturen im Gedächtnis neu verankern kann (vgl. Fonagy 2009, S. 140). Über die Methodik der psychotherapeutischen Behandlung kann in diesem Sinn der Weg eines mentalen Korrektivs gewährleistet werden, um bindungstheoretisch gesprochen und Bowlby folgend eine notwendige ,sichere Basis' zu schaffen (vgl. Fonagy 2009, S. 142, S. 156, S. 80), im englischen Original "secure base" (Bowlby 1980, S. 182) genannt.
Diese Beziehungsdynamik erfuhr eine Weiterentwicklung durch neuere wissenschaftliche Forschungsfelder und wurde erfolgreich und anschlussfähig mit der Begrifflichkeit der Mentalisierung erweitert und weitergehend untersucht (vgl. Fonagy et al. 2004, S. 9). Die wissenschaftliche Verwurzelung der Mentalisierung liegt sowohl in der Psychoanalyse, in der Theory-of-Mind (ToM) (vgl. Taubner 2015, S. 15), wie auch in d
Weitere Informationen
- Allgemeine Informationen
- GTIN 09783959930703
- Sprache Deutsch
- Genre Psychologie-Lexika
- Größe H220mm x B155mm x T5mm
- Jahr 2018
- EAN 9783959930703
- Format Kartonierter Einband
- ISBN 978-3-95993-070-3
- Veröffentlichung 20.07.2018
- Titel Generativität und Bindungserfahrung in Lebensläufen von Psychotherapeuten am Beispiel von Donald W. Winnicott
- Autor Bernd Aschenbrenner
- Untertitel Bachelorarbeit
- Gewicht 111g
- Herausgeber Bachelor + Master Publishing
- Anzahl Seiten 60