'Gott gebe das wir das Liebe Engelein mit Freüden wieder sehen Mögen'

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Details

Auch in Basel spielten Tod und Sterben im Alltag der Menschen bis weit ins 19. Jahrhundert eine grosse Rolle: Die religiöse Praxis und die protestantische Erbauungsliteratur sicherten dem Tod einen zentralen Platz im Glaubenssystem, ermöglichte er doch den Übertritt in ein besseres, himmlisches Jenseits. Doch was waren die Auswirkungen auf den Einzelnen und seine Lebenswelt? Um dies zu ergründen, bedarf es mehr als die blosse Nachzeichnung der Bestattungsgeschichte. Besonders aufschlussreich sind Selbstzeugnisse, die einen differenzierteren Einblick in individuelle und kollektive Formen des Umgangs mit dem Tod gewähren. Ähnlich wie anderswo verlief die Entwicklung des Basler Bestattungswesens zwischen 1750 und 1850: Begräbnisplätze wurden an die Peripherie verlegt und von Kirchen räumlich abgelöst. Die weltliche Obrigkeit reglementierte die Gestaltung der Friedhöfe und den administrativen Ablauf bei Todesfällen zunehmend, Berufe im Bestattungswesen wurden professionalisiert und aufgewertet. Die weltliche Obrigkeit trat seit Beginn des 19. Jahrhunderts immer mehr gegen die Praxis der Sonderbestattungen ein, u.a. von Selbstmördern oder im Rhein Verunglückten, die nicht selten auf dem Schindanger ihre letzte Ruhestätte fanden. Die Basler Bestattungsgeschichte lässt sich aber auch in einen medizinhistorischen Kontext stellen: In die Diskussionen um gefährliche 'Leichenausdünstungen' und durch Scheintod drohende Lebendigbestattungen, um die Verlegung der Begräbnisplätze und den Bau von Leichenhäusern flossen zeitgenössische und ältere medizinische Konzepte, wie diejenigen des Reizes, der Miasmen oder der Contagien. Die Sterbeliteratur war als Deutungsrichtlinie für das Leben der Gläubigen noch im 19. Jahrhundert weit verbreitet. Dies zeigt sich etwa in der Untersuchung von Basler Selbstzeugnissen. Die Autoren verfassten Sterbeberichte und beschrieben ihre Gefühle nach Todesfällen, geben somit Auskunft zu (Erinnerungs-)Ritualen und Brauchtum sowie zu Jenseitsvorstellungen. Selbstzeugnisse ermöglichen Einblicke in den religiös geprägten Alltag der Menschen, in individuelle und kollektive Frömmigkeitspraktiken und in Schreibprozesse.

Autorentext
Patricia Zihlmann-Märki, geb. 1978, Studium der Geschichte, Soziologie und Germanistik, 2008 Promotion (Basel). 2006-10 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Editionsprojekt C. F. Meyers Briefwechsel (Universität Zürich), ab 2010 an der historisch-kritischen Gesamtausgabe Jeremias Gotthelf (Universität Bern). Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Regionale Kulturgeschichte Baselland.

Inhalt
1 Tod und Sterben eine Annäherung an Quellen, Methode und Theorie Teil I Das Basler Bestattungswesen zwischen 1750 und 1850 2 Reglementierung und Verwaltung 2.1 Mandate und Gesetze zum Bestattungswesen 2.2 Basler Sterbe- und Begräbnisriten 2.3 Berufe im Bestattungswesen 'Totengräber' und 'Kohlenberger' 3 Die Begräbnisplätze der Münstergemeinde 3.1 Entwicklung der Begräbnisplätze 3.2 Aussehen 3.3 Probleme 4 Gefährliche 'Ausdünstungen' 4.1 Die Zeit vor der Epidemie von 1814 4.2 Die Nervenfieberepidemie von 1814 4.3 Der allgemeine Friedhof der Münstergemeinde zu St.?Elisabeth 4.4 Fazit 5 Scheintod: Die Gefahr der Lebendigbestattung 5.1 Scheintod und Anatomie 5.2 Scheintodangst und Rettung Verunglückter in Basel 6 Zur Sonderbestattung verschiedener Toter 6.1 Die Bestattung radikaler Pietisten um 1750 6.2 Selbstmörder auf den Richtplatz? 6.3 Verunglückte 6.4 Fazit Teil II Tod und Sterben in Basler Selbstzeugnissen des 18. und 19.?Jahrhunderts 7 Tod und Sterben in Selbstzeugnissen eine Einleitung 8 Rituale zwischen Sterbebett und Bestattung 8.1 Rituale am Sterbebett 8.2 Die Bestattung des toten Körpers 8.3 Zum Schreiben von Sterbeberichten 9 Krisen Zeiten grösserer Todesgefahr 9.1 Krieg als Alltag 9.2 Die Nervenfieberepidemie von 1814 10 Himmel, Hölle und Zwischenwelten 10.1 Himmel und Jüngstes Gericht 10.2 Hölle, Zwischenwelten und Gespenster 11 Emotionen und Gedenken 11.1 Von Trauer und anderen Emotionen 11.2 Zum Gedenken Teil III Der eigene Tod im Lichte von Selbstdarstellungen 12 Zum Schreiben über den eigenen Tod 13 Zwischen Gottvertrauen und Mutlosigkeit 13.1 Zur Biographie Esther Hauser-Faeschs 13.2 Selbstdarstellungen: frohen Mutes im Angesicht des eigenen Todes 13.3 Schreiben und Intertextualität 14 Todesgedanken eines Hiobs 14.1 Der Verfasser und sein Werk 14.2 Ein allgegenwärtiges Thema: Tod 14.3 Die Entwicklung eines Hiobs 15 Schluss

Weitere Informationen

  • Allgemeine Informationen
    • GTIN 09783034010405
    • Sprache Deutsch
    • Auflage 28.09.2010
    • Größe H225mm x B155mm x T38mm
    • Jahr 2010
    • EAN 9783034010405
    • Format Kartonierter Einband
    • ISBN 978-3-0340-1040-5
    • Veröffentlichung 28.09.2010
    • Titel 'Gott gebe das wir das Liebe Engelein mit Freüden wieder sehen Mögen'
    • Autor Patricia Zihlmann-Märki
    • Untertitel Eine kulturgeschichtliche Untersuchung des Todes in Basel 17501850
    • Gewicht 830g
    • Herausgeber Chronos Verlag
    • Anzahl Seiten 448
    • Lesemotiv Verstehen
    • Genre Neuzeit bis 1918

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