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Inwieweit ist Bourdieus Begriff des Habitus auf Städte übertragbar? Eine Auseinandersetzung mit einem neuen Ansatz in der Stadtsoziologie
Details
Braucht die Stadtsoziologie einen Perspektivenwechsel? Hat sich das Erkenntnispotential der traditionellen Stadtforschung erschöpft oder ist gar ihr Erkenntnisgegenstand verloren gegangen angesichts der Tatsache, dass Stadt/Land-Unterschiede zunehmend verschwinden bzw. angesichts einer zunehmenden Verstädterung der Gesellschaft?
Die Bemühungen, denen stadtsoziologische Forschungen gelten, zielen darauf ab, gesellschaftliche Entwicklungen zu erklären, welche in der Stadt, die als Spiegel der Gesellschaft begriffen wird, sichtbar werden. Diese Sichtweise unterstellt, dass es im Prinzip keine Rolle spielt, in welcher Stadt gerade ein bestimmtes gesellschaftliches Phänomen untersucht wird. Generell gilt: Es werden Phänomene in der Stadt untersucht.
Im Rahmen des noch jungen Forschungsansatzes Eigenlogik der Stadt wird ein anderer Weg vorgeschlagen, der möglicherweise zu einem Paradigmenwechsel in der Stadtsoziologie führt. Dieser Forschungsansatz geht davon aus, dass herkömmliche Bedeutungszuweisungen von der Stadt überholt sind, dagegen werden Städten spezifische Strukturen und Eigenschaften zugesprochen, welche unabhängig von den jeweiligen Akteuren ortsspezifische Handlungsmuster erzeugen. Daher soll nicht mehr in der Stadt, sondern die Stadt selbst untersucht werden. Im Rahmen des Postulats einer Eigenlogik der Stadt sprechen schließlich einige Autoren auch von einem Habitus der Stadt , wobei der Habitusbegriff im Sinne Bourdieus gebraucht wird.
Das vorliegende Buch geht der Frage nach, inwieweit Bourdieus Habituskonzept auf städtesoziologische Analysen übertragbar ist bzw. inwieweit man davon sprechen kann, dass Städte über einen Habitus verfügen ohne einem Anthropomorphismus zu verfallen. Bourdieu ging es immer um eine gesellschaftskritische Auseinandersetzung und die Frage ist, ob diese von ihm immer wieder geforderte kritische Haltung des Sozialwissenschaftlers mit diesem neuen Ansatz nicht vielleicht verloren geht.
Autorentext
Christel Kohls wurde 1957 in St. Ingbert geboren. Sie arbeitete zunächst als kaufmännische Angestellte und begann 1990 das Studium der Sozialen Arbeit in Saarbrücken, das sie 1994 abschloss. Seit 1995 arbeitet sie als pädagogische Fachkraft in einer Beratungsstelle für wohnungslose Jugendliche und junge Erwachsene. Parallel studierte sie an der Fernuniversität in Hagen Soziologie, Philosophie und Erziehungswissenschaften. Dieses Studium schloss sie 2014 mit dem Magistra Artium ab. Ganz im Sinne Bourdieüs geht es der Autorin darum, Sozialwissenschaft, die sich oft als ein reiner Ego-Betrieb ausweist, durch eine theoretische Durchdringung der pädagogischen Praxis "zu leben". Für sie ist Soziale Arbeit immer auch Gesellschaftskritik.
Leseprobe
Textprobe:
Kapitel 2.4, Sozialer Raum und Lebensstile:
Bei dem von Bourdieu entwickelten Konstrukt des sozialen Raumes handelt es sich um eine abstrakte Darstellung (vgl. Bourdieu 1982: 277). Dieser Raum ist statisch und erfasst die Totalität von Positionen.
Wie Bollnow unterscheidet auch Bourdieu nach unterschiedlichen Räumen, so stellt er dem sozialen Raum den praktischen Raum der Alltagsexistenz gegenüber und zieht eine Parallele bezüglich des Verhältnisses dieser Räume zu einander : Der hier konstruierte Raum ( ) verhält sich zum praktischen Raum der Alltagsexistenz mit seinen Abständen, die man einhält oder markiert, und seinen Nächsten, die ferner sein können als jeder Fremde, wie der geometrische Raum zum hodologischen Raum der Alltagsexistenz mit seinen Lehrstellen und Diskontinuitäten (ebd.: 277). Bourdieu vermeidet bewusst oder unbewusst den Begriff der Gesellschaft. Der soziale Raum, der aus unterschiedlichen Feldern besteht, kann allerdings der Gesellschaft gleichgesetzt werden. Eine vollständige Aufzählung vorhandener Felder ist nicht möglich, da es unendlich viele Felder gibt bzw. geben kann. Einige bedeutende Felder sind: das Feld der Wirtschaft, das Feld der Politik, das Feld der Künste, das Feld der Wissenschaft. Die Struktur eines Feldes ist bestimmt durch die Verteilungsstruktur der unterschiedlichen Kapitalsorten.
Der soziale Raum wird quasi belebt durch das permanente Ringen der Akteure um Positionserhalt oder Positionsveränderung und dabei entstehen wiederum objektiv klassifizierbare Praxisformen sowie nicht minder objektive und selbst wieder klassifizierbare Klassifikationsverfahren (ebd: 277), also Verfahren des Bewertens und Beurteilens. Erzeugungsprinzip beider sozialen Akte, also der gezeigten Praxisformen wie der Klassifikationsverfahren ist laut Bourdieu der Habitus, und in der Dialektik zwischen beiden entsteht ein weiterer Raum: der Raum der Lebensstile bzw. die repräsentierte soziale Welt (ebd.: 278). Entwickelt hat Bourdieu das Modell des sozialen Raumes wie das des Raums der Lebensstile in der Auseinandersetzung mit Weber schen Begriffen Klasse und Stand. Bourdieu betont, dass alle Züge, die Max Weber dem Stand zuschreibt, zur symbolischen Ordnung gehören (Bourdieu 1970: 59). Während Klassen sich durch ihre symbolischen Beziehungen zueinander auszeichnen (vgl. ebd.: 57), unterscheiden sich die Stände nach der Art des Konsums und sind weniger durch ein Haben Sein
Weitere Informationen
- Allgemeine Informationen
- GTIN 09783958505896
- Sprache Deutsch
- Auflage Erstauflage
- Größe H220mm x B155mm x T6mm
- Jahr 2015
- EAN 9783958505896
- Format Kartonierter Einband
- ISBN 978-3-95850-589-6
- Veröffentlichung 08.01.2015
- Titel Inwieweit ist Bourdieus Begriff des Habitus auf Städte übertragbar? Eine Auseinandersetzung mit einem neuen Ansatz in der Stadtsoziologie
- Autor Christel Kohls
- Gewicht 148g
- Herausgeber Diplomica Verlag
- Anzahl Seiten 84
- Genre Medienwissenschaft