Jugend ohne Gott

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Details

Der längst zum Literaturkanon zählende Roman Jugend ohne Gott zeichnet die Anfangszeit des Dritten Reichs aus der Innenperspektive nach in Person eines Lehrers und seiner Schüler. Der Gymnasiallehrer, der einen seiner Schüler wegen rassistischer Äußerungen zur Seite genommen hatte, wird daraufhin vom Rektor einbestellt und auf ein verpflichtendes Zeltlager mit den Schülern geschickt. Auf dem Land angekommen, geraten die Dinge nach einem Diebstahl in eine Spirale, die weder die Kinder noch der Lehrer aufhalten können. Anpassungsmechanismen, Manipulation und zunehmende Repression stehen dem verzweifelten Versuch des Gymnasiallehrers gegenüber, in Gesprächen mit dem Dorfpfarrer zu seelischer Klarheit zu gelangen. Der selbsternannte Weltbürger Ödön von Horváth ist nicht nur ein Chronist seiner Zeit, sondern auch eine wichtige Stimme gegen den Faschismus. Seine große Gabe ist es, die von ihm beobachteten Menschen mit ihren Alltagsproblemen und ihrer Sprache aufs Papier zu bringen »die Welt so zu schildern, wie sie halt leider ist.« Die schonungslosen, kritischen und pointierten Aussagen dieses Klassikers der Moderne verfehlen ihre unmittelbare Wirkung bis heute nicht.

»Ein kleines Buch empfehle ich Ihnen, eine Erzählung Jugend ohne Gott von Horváth. Sie ist großartig und schneidet quer durch den moralischen Weltzustand von heute.« (Herrmann Hesse) »Das beste Buch der letzten Jahre.« (Thomas Mann)

Autorentext
Ödön von Horváth (19011938) wurde im heutigen Kroatien geboren und wuchs in Belgrad, Budapest, München und Murnau auf. Nach zweijähriger Studienzeit in München im Bereich der Literatur- und Kunstwissenschaft, entschied er sich als Schriftsteller zu arbeiten. Vor allem als Bühnenautor feierte er bald große Erfolge. Horváth warnte in seinen Stücken vor dem erstarkenden Faschismus und wurde ab 1933 mit einem Aufführungsverbot belegt. Er kam 1938 auf tragische Weise durch einen herabstürzenden Ast bei einem Unwetter in Paris ums Leben. Heute hat sein Werk zahlreiche Verfilmungen erfahren und gehört zur Schullektüre.

Leseprobe
»Mir scheint, Sie sind ein verkappter Romantiker! Ich bitt Sie, unterbrechens mich nicht mehr! Setz dich! Wir kommen jetzt zur dritten Generation, nämlich zu den heute Vierzehnjährigen: für die ist das Weib überhaupt kein Problem mehr, denn es gibt keine wahrhaften Frauen mehr, es gibt nur lernende, rudernde, gymnastiktreibende, marschierende Ungeheuer! Ist es Ihnen aufgefallen, daß die Weiber immer reizloser werden?« »Sie sind ein einseitiger Mensch!« »Wer möchte sich für eine rucksacktragende Venus begeistern? Ich nicht! Jaja, das Unglück der heutigen Jugend ist, daß sie keine korrekte Pubertät mehr hat erotisch, politisch, moralisch etcetera, alles wurde vermantscht, verpantscht, alles in einen Topf! Und außerdem wurden zu viele Niederlagen als Siege gefeiert, zu oft wurden die innigsten Gefühle der Jugend in Anspruch genommen für irgendeinen Popanz, während sie es auf einer anderen Seite wieder zu bequem hat: sie müssen ja nur das abschreiben, was das Radio zusammenblödelt, und schon bekommen sie die besten Noten. Aber es gibt auch noch einzelne, Gott sei Dank!« »Was für einzelne?« Er sah sich ängstlich um, neigte sich dicht zu mir und sagte sehr leise: »Ich kenne eine Dame, deren Sohn geht ins Realgymnasium. Robert heißt er und ist fünfzehn Jahre alt. Neulich hat er so ein bestimmtes Buch gelesen, heimlich nein, kein erotisches, sondern ein nihilistisches. Es hieß: Über die Würde des menschlichen Lebens und ist streng verboten.« Wir sahen uns an. Wir tranken. »Sie glauben also, daß einzelne von denen heimlich lesen?« »Ich weiß es. Bei jener Dame ist manchmal ein direktes Kränzchen, sie ist oft schon ganz außer sich. Die Buben lesen alles. Aber sie lesen nur, um spötteln zu können. Sie leben in einem Paradies der Dummheit, und ihr Ideal ist der Hohn. Es kommen kalte Zeiten, das Zeitalter der Fische.« »Der Fische?« »Ich bin zwar nur ein Amateurastrolog, aber die Erde dreht sich in das Zeichen der Fische hinein. Da wird die Seele des Menschen unbeweglich wie das Antlitz eines Fisches.« Das ist alles, was ich von der langen Debatte mit Julius Caesar behielt. Ich weiß nur noch, daß er, während ich sprach, öfters seinen Totenkopf illuminierte, um mich zu irritieren. Aber ich ließ mich nicht, obwohl ich sinnlos betrunken war. Dann erwache ich in einem fremden Zimmer. Ich lieg in einem anderen Bett. Es ist finster, und ich höre wen ruhig atmen. Es ist eine Frau aha. Sie schläft. Bist du blond, schwarz, braun, rot? Ich erinnere mich nicht. Wie siehst du denn aus? Soll ich die Lampe andrehen? Nein. Schlaf nur zu. Vorsichtig stehe ich auf und trete ans Fenster. Es ist noch Nacht. Ich sehe nichts. Keine Straße, kein Haus. Alles nur Nebel. Und der Schein einer fernen Laterne fällt auf den Nebel, und der Nebel sieht aus wie Wasser. Als wäre mein Fenster unter dem Meer. Ich schau nicht mehr hinaus. Sonst schwimmen die Fische ans Fenster und schauen herein.

Inhalt
Kapitel 1 - Die Neger Kapitel 2 - Es regnet Kapitel 3 - Die reichen Plebejer Kapitel 4 - Das Brot Kapitel 5 - Die Pest Kapitel 6 - Das Zeitalter der Fische Kapitel 7 - Der Tormann Kapitel 8 - Der totale Krieg Kapitel 9 - Die marschierende Venus Kapitel 10 Unkraut Kapitel 11 - Der verschollene Flieger Kapitel 12 - Geh heim! Kapitel 13 - Auf der Suche nach den Idealen der Menschheit Kapitel 14 - Der römische Hauptmann Kapitel 15 - Der Dreck Kapitel 16 - Z und N Kapitel 17 - Adam und Eva Kapitel 18 Verurteilt Kapitel 19 - Der Mann im Mond Kapitel 20 - Der vorletzte Tag Kapitel 21 - Der letzte Tag Kapitel 22 - Die Mitarbeiter Kapitel 23 - Der Mordprozess Kapitel 24 Schleier Kapitel 25 - In der Wohnung Kapitel 26 - Der Kompass Kapitel 27 - Das Kästchen Kapitel 28 - Vertrieben aus dem Paradies Kapitel 29 - Der Fisch Kapitel 30 - Er beißt nicht an Kapitel 31 Fahnen Kapitel 32 - Einer von fünf Kapitel 33 - Der Klub greift ein Kapitel 34 - Zwei Briefe Kapitel 35 Herbst Kapitel 36 Besuch Kapitel 37 - Die Endstation Kapitel 38 - Der Köder Kapitel 39 - Im Netz Kapitel 40 - Der N Kapitel 41 - Das Gespenst Kapitel 42 - Das Reh Kapitel 43 - Die anderen Augen Kapitel 44 - Über den Wassern

Weitere Informationen

  • Allgemeine Informationen
    • Sprache Deutsch
    • Gewicht 274g
    • Untertitel Roman | »Ein kleines Buch empfehle ich Ihnen, eine Erzählung Jugend ohne Gott von Horváth. Sie ist großartig und schneidet quer durch den moralischen Weltzustand von heute.« Hermann Hesse
    • Autor Ödön von Horváth
    • Titel Jugend ohne Gott
    • Veröffentlichung 01.10.2025
    • ISBN 978-3-7374-1267-4
    • Format Fester Einband
    • EAN 9783737412674
    • Jahr 2025
    • Größe H200mm x B125mm x T13mm
    • Herausgeber Marix Verlag
    • Anzahl Seiten 224
    • Auflage 1.
    • Genre Historische Romane & Erzählungen
    • Lesemotiv Auseinandersetzen
    • GTIN 09783737412674

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