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Mojas Stimmen
Details
Paula ist Witwe, gegen 60 Jahre alt. Ihre Tochter Moja wird im Alter von 25 Jahren wieder zum hilflosen Kind, infolge einer psychischen Erkrankung. Paula schwankt zwischen Entsetzen und Trauer, Hilfsbereitschaft und Wut. Moja schottet sich oft ab, ist unerreichbar in ihrer eigenen Welt, wo sie sich mit ihren «Stimmen» unterhält. Die Mutter muss die Verantwortung für ihr Kind, das sie liebt, zeitweise an eine Klinik abgeben. Doch Moja verweigert immer wieder die Medikamente. Mutter und Tochterkind: ein prekärer Seiltanz der Emotionen, während Moja langsam in die Unselbständigkeit abrutscht. Aber die beiden bleiben einander zugetan und es gibt auch friedlich-liebevolle Momente. Ruth Loosli schildert die tragischen Ereignisse, die Rettungsversuche wie die Fluchten der Mutter, das Abdriften und stille Leiden der Tochter berührend, aber nicht larmoyant. Was als Ich-Erzählung beginnt, wandelt sich zur Erzählung in der dritten Person, wobei abwechselnd das Erleben von Paula und Moja gezeigt wird. Das doppelte Seelenleben, wie es Ruth Loosli in ihrem ersten Roman berührend evoziert, bewirkt beim Lesen einen Sog, eine Spannung. Psychische Krankheit ist ein Drama, kann aber auch zum Abenteuer werden, gar Humor wecken. Was ist Normalität?
Autorentext
Ruth Loosli ist 1959 in Aarberg geboren und im Berner Seeland aufgewachsen. Sie ist ausgebildete Primarlehrerin und hat drei Kinder. Seit 2002 lebt und arbeitet Ruth Loosli in Winterthur, wo sie sich in verschiedenen literarischen Projekten engagiert. Neben dem Schreiben von Prosa und Lyrik gestaltet sie auch Schreibbilder. Ruth Loosli ist Mitglied des AdS (Autorinnen und Autoren der Schweiz).
Leseprobe
Moja nimmt heute kein Telefon mehr ab. Sie hatte einen Anruf entgegengenommen, unabsichtlich, einfach, weil sie den Klingelton zum Schweigen bringen wollte. Hallo, sagte sie. Hallo, ist dort Moja Glaser? Ja, die bin ich. Oh, ich bin froh, dich endlich zu hören, sagte die Stimme und sogleich erkannte Moja die Tonlage ihrer Arbeitgeberin. Ihr wurde einen Moment schwindlig und sie stellte das Telefon auf Lautsprecher, ging mit dem Handy in die Küche. Sie setzte sich, legte das sprechende Ding auf den mit Tabakkrümel übersäten Tisch, zündete sich die angefangene Zigarette erneut an und ließ die Arbeitgeberin reden. Moja blieb freundlich. Sie fragte: Was haben Sie soeben gesagt, ich habe Sie nicht verstanden. Wieder der Geräuschbrei aus Vokalundkonsonanten. Ja, in Ordnung, sagte Moja, und auf Wiederhören. Sie lacht. Eine Stimme, es muss Marie sein, klopft ihr vom Kopf aus auf die Schulter. Es muss wie echt sein, denkt Paula, wenn Moja Stimmen hört und Anweisungen. Sie liest sich im Internet durch die Foren, bleibt bei interessanten Beiträgen hängen. Sie kann sich allmählich vorstellen, was bei ihrer Tochter abgeht. Es ist eine Krankheit, die die Wahrnehmung von Realität verschiebt. Und sie hat diesen schrecklichen Namen: Schizophrenie. Das Wort knirscht in ihren Gehörgängen, als wäre es Schmirgelpapier in grober Körnung. Sie versucht, ihre Tochter telefonisch zu erreichen. Sie sollte mit ihr die Zahlungen besprechen. Die flattern beinahe täglich ins Haus: Arztrechnungen, Steuern und Versicherungen. Alle fordern einen größeren oder kleineren Betrag. []
Weitere Informationen
- Allgemeine Informationen
- Sprache Deutsch
- Gewicht 250g
- Untertitel Roman
- Autor Ruth Loosli
- Titel Mojas Stimmen
- Veröffentlichung 30.04.2021
- ISBN 978-3-907296-05-9
- Format Fester Einband
- EAN 9783907296059
- Jahr 2021
- Größe H205mm x B120mm x T18mm
- Herausgeber Caracol Verlag der Autorinnen & Autoren
- Anzahl Seiten 224
- Auflage unveränderter Nachdruck
- Genre Gegenwartsliteratur (ab 1945)
- Lesemotiv Entspannen
- GTIN 09783907296059