Oft ist das Leben ein Tod [...] und der Tod ein besseres Leben

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Details

Die Motive Mord und Selbstmord im Werk des Sturm und Drang-Autors Jakob Michael Reinhold Lenz waren bislang obwohl Lenz enger Bezug zu Goethes Werther bekannt war noch nicht systematisch untersucht.

Die Autorin zeigt, dass Lenz Selbstmordverständnis drei Phasen durchläuft (Frühphase bis 1768, Straßburger Jahre und Spätwerk ab 1779). In Straßburg entwickelt Lenz eine neue, durchaus ungewöhnliche Position: Die Selbstmorde seiner Figuren müssen vor dem Hintergrund von Lenz Theologie des freien Handelns gelesen werden, da die Selbstmörder dem göttlichen Postulat des Handelns folgen und nicht zufällig Christusmerkmale tragen.
Gleichzeitig kann am Beispiel des Selbstmordes Lenz facettenreiches Verhältnis zum französischen Materialismus beschrieben werden. Obwohl Lenz den Materialisten um Paul Thiry d'Holbach kritisch gegenübersteht, rezipiert er Elemente von Holbachs Selbstmordverständnis aus dessen Werk System der Natur und verbindet diese mit christlichen Impulsen. Das Motiv Mord zeigt in Kongruenz zur Giftmetapher bei Rousseau die Brüchigkeit der gesellschaftlichen Strukturen und transportiert Kritik an einer falsch gelebten Aufklärung.


Autorentext

Simone Francesca Schmidt, geb. 1976 in Idar-Oberstein, Studium der Germanistik und der Evangelischen Theologie in Trier, Koblenz und Mainz, Staatsexamen für Lehramt Realschule und Gymnasium, Promotion Universität Mainz 2010.


Inhalt

Einleitung 11
Forschungsüberblick und Ziel der Arbeit 13
Zur methodischen Vorgehensweise 19
Überblick über den Aufbau der Arbeit 21

Teil I: Der historische und literarische Kontext: Hochkonjunktur zweier Motive im 18. Jahrhundert 25

A. Zur Definition von Selbstmord, Mord und Totschlag im 18. Jahrhundert 27

B. Die Theologie und das christliche Suizidverbot 28

C. Staat und Gesetzgebung 31

D. Die Freitoddebatte in der europäischen Philosophie der Aufklärung 34

E. Die Ästhetisierung des Selbstmordes in der Literatur: Cato, Emilia Galotti und Werther 41

F. Die Medizin und der Selbstmord: Ursachenzuschreibung 46

G. Suizid, soziale Kausalität und beginnende Psychologisierung 48

Teil II: Lenz' Frühwerk: Pietistische Wurzeln und erste sozialkritische Töne 51

A. Der verwundete Bräutigam: Der vermiedene Mord und Selbstmord 51

  1. Tigras' Mordversuch an Schönwald: Frühe Sozialkritik 52
  2. Das Spiel mit Tod, Scheintod und Ohnmacht 60
  3. Die Todessehnsucht Lenchens Der Wunsch nach Suizid? 62
  4. Die Deutung des Mordversuchs im Rahmen kirchlich-pietistischer Einflüsse 65

    B. Die Landplagen Mord und Selbstmord im Zeichen des Gottesurteils 75

    C. Zwischenbilanz unter Berücksichtigung von Lenz' Gedicht Gemälde eines Erschlagenen 86

    Teil III: Im Einflussbereich von Aufklärung und Sturm und Drang: Mord und Selbstmord als ästhetische Konstituenten in Lenz' Konzept des freien Handelns 91

    A. Frühe sozialkritische Implikationen zweier Motive im Drama Der Hofmeister oder Vorteile der Privaterziehung 91

  5. Der individuelle Verlust der Freiheit durch soziale Zwänge als versinnbildlichter geistiger Selbstmord 92
  6. Läuffers Selbstkastration ein Selbstmordversuch? 102
  7. Der Selbstmordversuch Gustchens als parodistische Imitation ihrer Leseerfahrungen 110
  8. Kritik an der Institution des Duells als Blockade freien Handelns 120

    B. Der europäische "Morast" Kultur- und Aufklärungskritik in Lenz' Drama Der neue Menoza 125

  9. Mord, Mordversuch und Morddrohung als Ausdruck einer zerrütteten Kultur 125
  10. Der Selbstmord Gustavs: Selbsterkenntnis, Reue, Handlung, Mahnung 138
  11. Die Selbstmordgedanken Wilhelmines im Kontext der unglücklichen Liebe 146
  12. Die ausgeschiedene Schlussvariante 148
  13. Tandi als Gegenbild und Brechung des Gegenbildes 154

    C. Vom unerreichbaren Bild zur kritisch-produktiven Distanzierung: Lenz, Werther und Werthers Selbstmord 161

  14. Briefe über die Moralität der Leiden des jungen Werther: Kasuistische Selbstmordbetrachtung 163
  15. Der Waldbruder ein Pendant zu Werthers Leiden: Explizite Abgrenzung durch Brechung und Radikalisierung als Kritik an Werthers Selbstmordpathographie 173

    D. Zwischen Handlungsabstinenz und Rückgewinnung von Handlungskompetenz: Die Soldaten 194

  16. Die soziale Genese von Mord und Suizid 194
  17. Maries unvollendete Selbstmordgedanken als Reflex ihrer passiven Frauenrolle 201
  18. Die Ermordung des Desportes durch Stolzius:
    Wiederherstellung der individuellen bürgerlichen Handlungskompetenz 203
  19. Stolz als weitere Triebfeder für den Mord des Stolzius 223
  20. Stolzius' Suizid: Ein Augenblick Freiheit 226
  21. Aggression und Gewalt in der Welt des Militärs 229
  22. Exkurs: Konsequenzen aus Lenz' Poetik 233

    E. Zerbin oder die neuere Philosophie: Eine erfahrungsseelenkundliche Fallstudie 240

  23. Der ,Fall' Zerbins: Psychologisierung einer suizidalen Entwicklung 240
  24. Zerbins Selbstmord als ambivalente Tat zwischen Selbstbestrafung und Selbstbefreiung 254
  25. Marie Kindermörderin und Opfer der Gesellschaft.
    Zu Lenz' Kritik an der zeitgenössischen Rechtsprechung 260
  26. Der Tod Maries Zwischen Zwang und Freiwilligkeit 269

    F. Rebellion gegen die Unfreiheit der Väterwelt im Drama Der Engländer 274

  27. Überwindung der Fremdbestimmung durch Selbstmord: Impulse durch die Selbstmorddebatte der Aufklärung am Beispiel Paul Thiry d'Holbachs 274
  28. Ist Robert Hot ein Melancholiker oder wird er einer? 297
  29. Eskalation in der Väterwelt 302
  30. Zur Rolle Armidas beim Selbstmord Robert Hots 304
  31. Kritik an Kirche und Religion der Väter 306
  32. Hots Selbstmord als Provokation für die Zeitgenossen 313
  33. Exkurs: Lenz' suizidale Krise und sein literarisches Werk Erprobung literarischer Handlungskonzepte an der Wirklichkeit? 316

    Teil IV: Unter dem Eindruck der selbstdestruktiven Krise: Kontinuitäten und Veränderungen im Spätwerk 333
    A. Etwas über Philotas Charakter: Neuausrichtung der Auseinandersetzung mit Tod und Selbstmord 334

  34. Der Tod als zentrales Motiv 334
  35. Autobiographische Bezüge zwischen Philotas und Lenz: Eine Selbstverteidigung? 341
  36. Subtil-subversive Apologie des Selbstmordes 350
    B Selbstdestruktion der Menschheit durch Eskalation von Mord und Gewalt: Die Sizilianische Vesper 356
    C. Plädoyer für eine tolerantere Menschheit als Fazit: Ueber Delikatesse der Empfindung 365

    Zusammenfassung und Schlussbetrachtung 377
    Literaturverzeichnis und Siglen 391
    Siglenverzeichnis 391
    Quellen- und Literaturverzeichnis 393

  37. Werke von Lenz 393
  38. Sonstige Primärliteratur 394
  39. Sekundärliteratur 398

Weitere Informationen

  • Allgemeine Informationen
    • Sprache Deutsch
    • Titel Oft ist das Leben ein Tod [...] und der Tod ein besseres Leben
    • Veröffentlichung 01.04.2010
    • ISBN 978-3-89975-203-8
    • Format Kartonierter Einband
    • EAN 9783899752038
    • Jahr 2010
    • Größe H210mm x B148mm x T23mm
    • Autor Simone Francesca Schmidt
    • Untertitel Selbstmord und Mord im Werk von J. M. R. Lenz
    • Gewicht 543g
    • Auflage 10001 A. 1. Auflage
    • Genre Allgemeine & vergleichende Sprachwissenschaft
    • Anzahl Seiten 420
    • Herausgeber Peter Lang
    • GTIN 09783899752038

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