Pflegekinder und ihre Entwicklungschancen nach frühen traumatischen Erfahrungen

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Details

Wer auch immer vom Tod eines misshandelten, vernachlässigten, traumatisierten Kindes hört, fragt sich: Wie konnte dies geschehen? Wer spürt keine Hilflosigkeit, keine Trauer, kein Mitleid, keine Wut? Gerade dann, wenn es sich um die Eltern handelt, die den Tod ihres Kindes verschuldet haben.

Seit 30 Jahren befassen sich die Autoren mit Kindern, die aufgrund eingeschränkter Erziehungsfähigkeit ihrer leiblichen Eltern von ihnen getrennt und auf Dauer in einer Pflege- oder Adoptivfamilie leben. Erst die Trennung von den leiblichen Eltern, oft auch die Freigabe zur Adoption, und die Integration in eine Ersatzfamilie bietet vielen Kindern die Chance, traumatische Erfahrungen bewältigen zu können. Nutzt ein Kind die Beziehungen zu den »neuen« Eltern als Übertragungsbeziehung wie in einer therapeutischen Beziehung, so können frühere Erfahrungen korrigiert und befriedigende Eltern-Kind-Beziehungen entwickelt werden.

  • Viele Fallbeispiele
  • Wie findet man einen Zugang zur inneren Welt des Kindes? Wie kann man sich seinem Erleben öffnen?
  • Ausführliche Darstellung der Wirkungen früher Misshandlungen; wie werden sie verarbeitet?
  • Prozesse, wie Kinder sich in Ersatzfamilien integrieren.
  • Spezielle Probleme wie: Besuchskontakte zu den leiblichen Eltern oder die Geschwistervermittlung.

    Das Buch wendet sich an:
    Kinder- und Jugendlichentherapeuten, Pflege- und Adoptiveltern, Sozialarbeiter, Heimerzieher, Psychologen und Therapeuten, Lehrer, Ärzte, Rechtsanwälte, Richter, Journalisten, Politiker.

    Autorentext
    Arnim Westermann, geboren 1938, Promotion nach dem Studium der vorklinischen Medizin und Psychologie in Berlin und Münster, beschäftigt sich seit 1973 mit der Sozialisation von Kindern in Ersatzfamilien.

    Leseprobe
    Aus dem Vorwort von Arno Gruen [...] Monika Nienstedt und Arnim Westermann zeigen eindeutig, daß Identifi zierung und Autonomiebedürfnisse allein nicht zum Selbst führen. Es ist die Qualität der Beziehung zwischen Kind und Eltern, die erst jene Grundlagen schafft, welche Identität ermöglichen - oder auch nicht. Identität kommt gar nicht zustande, wenn diese Grundlagen nicht hergestellt werden. Dadurch ist aber auch die Möglichkeit gegeben, daß Kinder einen Neubeginn für sich schaffen können, gerade weil keine wahre Identität zustande kam, vorausgesetzt, daß eine auf sie eingehende Umgebung gesichert werden kann. Die Abhängigkeit des Kindes kann zu zweierlei führen: zu einer positiven Bindung oder auch zu einer auf Überanpassung beruhenden Angstbindung, die dem Schutz des Kindes dient. Letztere ist wie eine Hülle, die keine wahre Bindung zuläßt. Es sind nur wir, die Zuschauer, wenn wir selbst von einer verzerrten psychologischen und gesellschaftlichen Sicht gesteuert werden, welche Überanpassung mit Identität verwechselt, die diese Widerstandskraft des Kindes verleugnen und dem Kind verweigern, sich aus zerstörerischer Abhängigkeit zu befreien. Die Autoren veranschaulichen durch ihre Fallbeispiele, daß ein falsches Selbst im Sinne von Laing und Winnicott gar nicht das beinhalten kann, was für eine Identitätsstruktur grundlegend ist, nämlich eine sichere emotionale Bindung zu den Eltern, die wiederum zu differenzierten Objektbeziehungen führt. Sie machen deutlich, daß man, wenn keine differenzierte Objektbeziehung existiert, gar nicht von einer Identität sprechen kann. Es wird einem plötzlich klar, daß der übliche Gebrauch des Konzepts Identität uns ohne diese Differenzierung in eine Falle gelockt hat, wenn wir mit angeblichen Identitäten ringen, die im Grunde genommen keine sind, sondern nur Anpassungen an den Willen einer Autorität. Das führt dazu, daß das Eigene, das man hätte sein können, zum Feind gemacht wird, wodurch der Haß auf alles Fremde entsteht. Vielleicht haben wir alle zu diesem unerkannten Problem beigetragen, weil wir nicht wahrhaben wollten, daß ein falsches Selbst keine Identität ermöglicht. Wenn wir trotz Laing und Winnicott diesen Schritt in unseren Erkenntnissen nie konsequent vollzogen haben, dann vielleicht deshalb, weil er die kulturelle Idealisierung, daß alle Eltern ihren Kindern die Entwicklung von Identität ermöglichen, in Frage stellt. Wenn wir jedoch jetzt mit Nienstedt und Westermann diesen Schritt tun, werden wir auch die uns umgebende gesellschaftliche Pathologie besser verstehen. Es wird dann nicht mehr möglich sein zu glauben, daß zum Beispiel der Haß oder ein Nationalismus, der auf Haß basiert, der Identitätsbildung dienen könne. Mit einem Schlag können wir dann denen entgegenwirken, die das Konzept der Identität mißbrauchen, wenn sie im Grunde eine Blut- und Boden-Psychologie vertreten, die auf Abwehr und Verneinung des Menschlichen basiert. Wenn völlig abgelöst von der Qualität der Eltern-Kind-Beziehung a priori die leiblichen Eltern als Identitätsquelle ihrer Kinder idealisiert werden, so wird nicht nur die Eigenständigkeit eines Kindes und sein Recht auf Geborgenheit negiert. Unter dem Deckmantel des psychologischen Konzeptes der Identität wird eine biologistische Sicht vertreten, von der wir gemeint haben, sie sei längst überwunden. Eine Differenzierung des Identitätskonzepts macht solche Mißgriffe unmöglich und verhindert, daß wir selbst von der Semantik her in die Defensive getrieben werden. Zwei Aspekte in unserem und des Kindes Sein durchziehen die vielseitige und äußerst mitfühlende Analyse der Autoren: die Abhängigkeit von und die Identifi kation mit dem Aggressor. Beide werden von ihnen auf eine Art durchleuchtet, die es bis zur Veröffentlichung ihres Buches weder in der deutschen noch in der englischen Fachliteratur gab. Der Beitrag des Kindes in der Bestimmung seiner eigenen Entwicklung steuert zur Kinderpsychologie eine lebensfr

    Inhalt

    Vorwort von Arno Gruen
    Vorwort der Autoren
    Einleitung: Kinder in Ersatzfamilien
    Traumatische Erfahrungen
    Die Chancen von Kindern in Ersatzfamilien
    Die Trennung von den Eltern
    Verleugnung elterlichen Versagens
    Respekt
    Teil I
    Mißhandlungserfahrungen und ihre Verarbeitung in neuen Eltern-Kind-Beziehungen

    1. Äußere und innere Realität traumatischer Erfahrungen
      Phantasie oder Realität
      Angstabwehr
      Wiederholung traumatischer Erfahrungen
    2. Ursachen und Wirkungen von Kindesmißhandlung
      Verleugnung von Kindesmißhandlung
      Mißhandelnde Eltern
      Das Elend der Wiederholung
      Defizitäre Sozialisation
      Einstellung zum Kind
      Mißhandelte Kinder
      Störung der Entwicklung des Selbst und der Beziehungsfähigkeit
      Gestörte Autonomie- und Ich-Entwicklung
      Gestörte Gewissensentwicklung
      Distanzierung von den Eltern
    3. Zur Entwicklung von Beziehungen in Ersatzfamilien - Theorie der Integration
      Familiale Beziehungen und kindliche Bedürfnisse
      Anpassung und Annahme
      Überanpassung
      Einfluß haben
      Dialogische Beziehungsformen
      Wiederholung früherer Beziehungsformen in der Übertragungsbeziehung
      Das Phänomen der Übertragungsbeziehung
      Rekonstruktion der Vorerfahrungen
      Korrigierende Erfahrungen
      Kritische Distanz zur eigenen Geschichte gewinnen
      Entwicklung persönlicher Beziehungen durch regressive Beziehungsformen
      Angstabwehrende Regression
      Regression im Dienst des Aufbaus von Beziehungen
      Regressive Entwicklung
      Annahme der Regression
    4. Aufarbeiten früher Vernachlässigungserfahrungen und Deprivationsstörungen
      Vergebliche Bemühungen bei der Bewältigung früher Vernachlässigung, ein Fallbeispiel
      Der Dialog und die Entwicklung von Ich-Fähigkeiten
      Wahrnehmungsdifferenzierung
      Spannungsreduktion, Sicherheitsgefühl und Zuwendung zur Welt
      Differenzierung von Selbst und Objekt und die Entwicklung von Autonomie
      Entgleisung des Dialogs unter deprivierenden Bedingungen
      Korrektur von Deprivationsstörungen
      Training von Fähigkeiten
      Der therapeutische Ansatz der »Bemutterung«
    5. Das agierende Kind
      Unverständliche Handlungen
      Inszenieren psychischer Konflikte
      Das in der Identifikation mit dem Aggressor agierende Kind, ein Fallbeispiel
      Genese und Funktion des Agieren…

Weitere Informationen

  • Allgemeine Informationen
    • Vorwort von Arno Gruen
    • Sprache Deutsch
    • Schöpfer Arno Gruen
    • Autor Monika Nienstedt , Arnim Westermann
    • Titel Pflegekinder und ihre Entwicklungschancen nach frühen traumatischen Erfahrungen
    • Veröffentlichung 20.08.2020
    • ISBN 978-3-608-98426-2
    • Format Kartonierter Einband
    • EAN 9783608984262
    • Jahr 2020
    • Größe H232mm x B171mm x T35mm
    • Gewicht 622g
    • Herausgeber Klett-Cotta Verlag
    • Auflage 6. Druckaufl. 2020
    • Genre Angewandte Psychologie
    • Lesemotiv Verstehen
    • Anzahl Seiten 415
    • GTIN 09783608984262

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