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Politische Schriften 19581993
Details
"Was noch hinzufügen? Es gibt vielleicht eine kulturelle Macht, aber sie ist ambivalent und droht immer, indem sie diese Ambivalenz verliert, sich in den Dienst einer anderen Macht zu stellen, die sie unterwirft. Schreiben ist, im Extremen, das, was nicht möglich ist, also immer auch die Suche nach einer Nicht-Macht, indem es die Beherrschung, die Ordnung und zunächst die bestehende Ordnung ablehnt, das Schweigen einer Rede der absoluten Wahrheit vorzieht, weshalb es bestreitet und ohne Unterlass bestreitet."
Maurice Blanchot oft mit dem Klischee des Einsamen assoziiert begleitete den Großteil seines literarischen und philosophischen Schaffens mit einem radikalen politischen Engagement, das von der Notwendigkeit eines gemeinsamen Denkens bewegt war. Garade die Idee der Gemeinschaft nicht reduzierbares Sein mit dem Anderen im Denken, Schreiben, Handeln setzte er jeder Form fusionistischer, nationaler oder gar nationalistischer Politik entgegen.
Seit 1958 wird dieses Denken im Öffentlichen manifest: zunächst in der Weigerung vor dem Unakzeptablen der Machtübernahme de Gaulles; dann in der Erklärung der bedingungslosen Unterstützung der Befehlsverweigerer und Fahnenflüchtigen des Algerienkrieges; über die intensive Arbeit am Internationalismus einer europäischen politisch-literarischen Zeitschrift von unerhörtem Format und im kollektiven Schreiben in den Tagen des Mai '68; zu Stellungnahmen im medialen Diskurs zum »Fall Heidegger« und zur Politik der Erinnerung an die Vernichtung der europäischen Juden; und schließlich in der bis zuletzt aufrechterhaltenen Weigerung, die Idee des Kommunismus den politischen Ereignissen zu opfern.
Der Band dokumentiert politische Texte Blanchots aus den Jahren 1958 bis 1993 und will die Untrennbarkeit seines philosophischen und literarischen Denkens vom Politischen deutlich machen.
Autorentext
Maurice Blanchot war Journalist, Literaturtheoretiker und Schriftsteller. Als Sohn einer wohlhabenden katholischen Familie wuchs er in gesicherten Verhältnissen auf. 1925 ging er nach Straßburg, wo er Philosophie und Deutsch studierte und Emmanuel Levinas kennenlernte, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verbinden sollte. Später ließ er sich in Paris nieder, wo er am Krankenhaus Sainte-Anne ein Studium der Medizin aufnahm. Während des zweiten Weltkriegs war Blanchot Mitglied der Résistance, später unterschrieb er das Manifest der 121, das sich gegen den Algerienkrieg aussprach. Seit 1953 schrieb Blanchot regelmäßig Beiträge für die Nouvelle Revue Française, die gemeinsam mit seinen Erzählungen und Romanen Generationen von Künstlern, Schriftstellern und Theoretikern nachhaltig geprägt haben. Sein literarisches Schaffen kreist um die prekäre Geste des Schreibens, die Erfahrung des Lesens und den intimen Zusammenhang von Literatur und Tod, dem Blanchot in aporetischen Wendungen und paradoxalen Konstruktionen sprachlichen Ausdruck zu verleihen suchte. Hierzulande hat die Rezeption seines Werks gerade erst begonnen.
Klappentext
Maurice Blanchot - oft mit dem Klischee des Einsamen assoziiert - begleitete den Großteil seines literarischen und philosophischen Schaffens mit einem radikalen politischen Engagement, das von der Notwendigkeit eines gemeinsamen Denkens bewegt war. Garade die Idee der Gemeinschaft - nicht reduzierbares Sein mit dem Anderen im Denken, Schreiben, Handeln - setzte er jeder Form fusionistischer, nationaler oder gar nationalistischer Politik entgegen. Seit 1958 wird dieses Denken im Öffentlichen manifest: zunächst in der Weigerung vor dem Unakzeptablen der Machtübernahme de Gaulles; dann in der Erklärung der bedingungslosen Unterstützung der Befehlsverweigerer und Fahnenflüchtigen des Algerienkrieges; über die intensive Arbeit am Internationalismus einer europäischen politisch-literarischen Zeitschrift von unerhörtem Format und im kollektiven Schreiben in den Tagen des Mai '68; zu Stellungnahmen im medialen Diskurs zum »Fall Heidegger« und zur Politik der Erinnerung an die Vernichtung der europäischen Juden; und schließlich in der bis zuletzt aufrechterhaltenen Weigerung, die Idee des Kommunismus den politischen Ereignissen zu opfern. Der Band dokumentiert politische Texte Blanchots aus den Jahren 1958 bis 1993 und will die Untrennbarkeit seines philosophischen und literarischen Denkens vom Politischen deutlich machen.
Inhalt
7 - 17 Vorbemerkungen (Marcus Coelen) 21 - 24 Die Weigerung 25 - 36 Die wesentliche Perversion 37 - 42 Erklärung über das Recht auf Ungehorsam im Algerienkrieg 43 - 46 [Klarstellung] 47 - 51 [Ich möchte zunächst sagen] 55 - 59 [Ich möchte Ihnen gerne meine Überlegungen] 61 - 77 [Projekt] 79 - 83 »Berlin« 87 - 88 [Die Solidarität mit der weltweiten Studentenbewegung, die wir hier bekräftigen] 89 [Eine Regierung regiert nur] 91 - 92 [Durch die Macht der Weigerung] 93 - 94 Das Verbrechen 95 - 98 [Brief an einen Verantwortlichen der jugoslawischen Radiound Fernsehanstalt] 99 - 101 [Die möglichen Eigenschaften] 103 - 106 Im Kriegszustand 107 - 108 Den Bruch bejahen 109 [Heute] 111 - 113 Der politische Tod 115 - 116 Die Straße 117 - 119 Kommunismus ohne Erbschaft 121 - 122 [Die Brutalität, bald sprachlich, manchmal im Handeln] 123 - 126 Flugblätter, Aushänge, Communiqué 127 - 128 [Dass die maßlosen Zwangsmittel] 129 - 131 Beispielhafte Handlungen 133 [Zwei charakteristische Neuerungen] 135 Zeitenbruch: Revolution 137 - 140 Dem Genossen Castro 141 Die ideologische Kapitulation 143 - 144 Der Untergrund im hellen Licht des Tages 145 - 148 Marx lesen 149 - 154 Über die Bewegung 157 - 159 Die bestehende Ordnung zurückweisen 161 - 163 Unsere Verantwortung 165 - 173 Die Apokalypse denken 175 - 184 Vergesst nicht 185 - 188 Der Exzess Die Fabrik oder das zerstückelte Unendliche 189 - 190 In der durchwachten Nacht
Weitere Informationen
- Allgemeine Informationen
- GTIN 09783037340059
- Übersetzer Marcus Coelen
- Editor Marcus Coelen
- Sprache Deutsch
- Auflage 1. Auflage 09.2007
- Größe H214mm x B134mm x T17mm
- Jahr 2007
- EAN 9783037340059
- Format Kartonierter Einband (Kt)
- ISBN 978-3-03734-005-9
- Veröffentlichung 30.09.2007
- Titel Politische Schriften 19581993
- Autor Maurice Blanchot
- Untertitel 1958-1993
- Gewicht 276g
- Herausgeber Diaphanes Verlag
- Anzahl Seiten 192
- Lesemotiv Verstehen
- Genre Philosophie & Religion