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Revolution islamischen Rechts
Details
1926 übernahm die neu gegründete Republik Türkei fast wörtlich das Schweizerische Zivilgesetzbuch (ZGB) und das Obligationenrecht. 'Rechtsrevolution' nannten dies die Reformer um Kemal Atatürk, was auch international als tiefer Einschnitt rezipiert wurde. Denn das Familienrecht hatte im späten Osmanischen Reich den noch am stärksten von der islamischen Scharia geprägten Teil des Rechts gebildet. Die Erfahrungen der Türkei stellen ein bedeutsames 'Langzeitexperiment' mit einem transkulturellen Rechtsregime dar: eine säkulare Organisation der Justiz und des Rechtswesens in einer Gesellschaft, die von islamischen Normen geprägt ist. Weist das Experiment darauf hin, dass sich theologisch verwurzeltes und kulturell tradiertes islamisches Rechtsempfinden mit moderner europäischer Gesetzgebung sehr wohl in Einklang bringen lässt? Ist die Scharia somit historische Hülse für Rechtsgüter, die sich in säkularen Gesetzen wie dem ZGB aufheben lassen? Könnte umgekehrt säkulares Rechtsgut in ein Scharia-basiertes Rechtssystem integriert werden? Trifft dies zu, ist transkulturelle, transreligiöse Verbindlichkeit erreichbar und die oft zitierte Kluft zwischen koranischer Offenbarung und Moderne überbrückbar.
Inhalt
I. Die Rechtsrevolution von 1926
Gottfried Plagemann: Die Einführung des ZGB im Jahre 1926. Das neue ZGB als Bedingung eines säkularen und souveränen Nationalstaates
Hans-Lukas Kieser: Der ehemalige Freiburger Doktorand Mahmut Bozkurt und sein Verständnis von Rechts- und Sozialrevolution
Sükran Sipka: Der Revolutionscharakter des Zivilgesetzes von 1926 aus frauenrechtlicher Perspektive
II. Rechtsevolution
Osman B. Gürzumar: Die Rezeption westlichen Rechts in der Türkei vor 1926
Jan Goldberg: Zur Frage der Kontinuität der türkischen Rezeption schweizerischen Rechts. Eine Betrachtung anhand der neueren ägyptischen Rechtsgeschichte
Mahide Aslan: Die ersten zwölf Jahre ZGB (1926-1936). Versuch einer Evaluierung des Implementierungsprozesses anhand der Urteile des Kassationsgerichtshofes in Ankara
Bülent Uçar: Die Einführung des Schweizerischen ZGB als Mittel zur Reform der Gesellschaft
III. Die Debatte um islamisches und europäisches Recht
Heinz Käufeler: Autoritäre Kontinuitäten. «Das Gute gebieten und das Übel abwehren» aus islamischer und kemalistischer Sicht
Astrid Meier: Wie islamisch muss islamisches Recht sein? Der Reformprozess in der Türkei - von Indien und Ägypten aus gesehen
Edouard Conte, Nahda Shehada: Equity vs. Predictability? The Role of the Qadi in the Palestinian Territories
Günter Seufert: Grenzen der Wirksamkeit des Zivilrechts und die Diskussion um Rechtspluralität
IV. Zivilrechtliche Entwicklungen
bis heute
Basak Baysal Erman: Die Rezeption des westlichen Rechts im Allgemeinen und des ZGB im Besonderen im Modernisierungsprozess der Türkei nach 1926
Hermann Schmid: Überblick über die Reformen des schweizerischen Familienrechts seit den 1980er Jahren
Ali Çivi: Türkisches Familienrecht nach 80 Jahren ZGB - Bestandesaufnahme und Evaluierung des jüngsten Reformprozesses
Anne-Banu Brand: Einige Aspekte der Scheidung in der Schweiz und in der Türkei
V. Kemalistische Rechtsrevolution: eine langfristig gelungene Interaktion?
Heinz Hausheer: Bemerkungen und Desiderata betreffend die Zusammenarbeit in der türkisch-schweizerischen «Rechtsgemeinschaft», insbesondere im Bereich des gemeinsamen Familienrechts
Urs Fasel: Hat ein Rezeptionskonzept Erfolg?
Walter Stoffel: Von Revolution und Transfer zur Interaktion
Weitere Informationen
- Allgemeine Informationen
- Sprache Deutsch
- Editor Hans L Kieser, Astrid Meier, Walter Stoffel
- Titel Revolution islamischen Rechts
- Veröffentlichung 11.10.2008
- ISBN 978-3-0340-0893-8
- Format Kartonierter Einband
- EAN 9783034008938
- Jahr 2008
- Größe H225mm x B155mm x T20mm
- Untertitel Das Schweizerische ZGB in der Türkei
- Auflage 2008
- Genre Zeitgeschichte (1946 bis 1989)
- Lesemotiv Verstehen
- Anzahl Seiten 234
- Herausgeber Chronos Verlag
- Gewicht 390g
- GTIN 09783034008938