Wo die Winterrose blüht

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Details

Département Ariège, Frankreich, 1943 Die Fluchthelferin Grace Tonquin, eine unerschrockene junge Frau aus der Gemeinschaft der Quäker, will jüdische Kinder aus dem besetzten Frankreich über die Pyrenäen in Sicherheit bringen. Sie nimmt die verwaisten Geschwister Élias und Marguerite mit in ihre Heimat Oregon. Doch die erlittenen Traumata bleiben nicht einfach in der Alten Welt zurück, sondern drohen, die Familie zu zerreißen Oregon, USA, 2003 Addie Hoult möchte ihrem Ersatzvater Charlie helfen, der an einer schweren Erbkrankheit leidet. Nur, wenn sie seine Verwandten findet, kann er gerettet werden. Und vielleicht werden dann auch seine inneren Wunden heilen. Ihre Suche führt sie zum Tonquin Lake und auf die Spuren von Grace und ihrer Familie, die ein Geheimnis zu umgeben scheint

Autorentext
Melanie Dobson hat Journalismus und Kommunikation studiert und war als Werbeleiterin tätig, bevor sie sich mehr und mehr dem Schreiben widmete. Eine besondere Vorliebe hat sie für Bücher, in denen Geschichte und Gegenwart miteinander verknüpft werden. Mit ihrem Mann und ihren beiden Töchtern lebt sie in der Nähe von Portland, Oregon.

Leseprobe
KAPITEL 1 Saint-Lizier, Frankreich September 1943 Die Sonnenstrahlen durchbrachen den Nebel und warfen ihren Schein wie ein Scheinwerferlicht auf eine Bühne in Hollywood. Das Morgenrot der Sonne wies Grace Tonquin und den zwölf Kindern in ihrer Obhut den Weg. In wenigen Minuten würden sie Schutz in der Kathedrale von Saint-Lizier finden. Schutz vor dem hellen Licht. Morgenröte am Himmel. Grace versuchte, den Gedanken an die Warnungen des Matrosen abzuschütteln, als sie die Kinder eine moosbewachsene Mauer entlangführte. Die zerklüfteten Steine an dieser Stelle verdeckten die Sicht auf das glühende Rot des Sonnenaufgangs. Sie rutschte mit ihren Oxford-Schuhen über das glitschige Kopfsteinpflaster. Die Blasen an ihren Füßen schmerzten, doch sie konnte jetzt nicht stehen bleiben. Ihre amerikanischen Landsleute waren bereits in die Heimat zurückbeordert worden, doch Grace konnte dieses Land nicht verlassen, bis alle jüdischen Kinder entweder ein sicheres Versteck erreicht hatten oder aus Frankreich evakuiert worden waren. Élias, der Älteste, trug den kleinen Louis auf dem Arm, während er gleichzeitig seiner Schwester Marguerite über eine Pfütze hinweghalf. Über ihrem Weg unter dem schützenden Dach des Herbstlaubes duftete es nach Regen. Bereits in ihrer Kindheit hatte Grace die Sommertage lieber abseits des Rampenlichts verbracht. Weit weg von den Menschenmengen mit ihren bewundernden Oohs und Aahs, die sie ihr zuwarfen, als wäre sie eine berühmte Persönlichkeit. Aber diese Menschen hatten nie gesehen, wer Grace wirklich gewesen war. Sie sahen in ihr die Tochter von Ruby Tonquin. Nicht das schüchterne Kind, das sich am liebsten in einem Schrank im Beverly Wilshire Hotel versteckt hätte. Ein etwas seltsames Mädchen, das lieber die Sandstrände von Santa Monica erkundete, anstatt Shoppinggelüsten zu frönen. Höchstwahrscheinlich war Grace die einzige Person in ganz Kalifornien gewesen, die Ruby nicht wie eine Göttin verehrt hatte. Marguerite drehte sich zu Grace um. Ihre Augen waren angeschwollen und rot wie die aufgehende Sonne. Grace bückte sich zu ihr hinunter und legte einen Finger auf die Lippen. Die Stille war ihr Verbündeter, bis sie die Kathedrale erreicht hätten, hatte sie den Kindern erklärt. Das Schweigen war ihr Schutzschild. Das älteste Mädchen in der Gruppe war fünfzehn Jahre alt. Sie ging den anderen Kindern voran und führte sie nun um eine Häuserecke. Die anderen folgten Suzel wie Entenküken, eingepackt in ihre dunklen Wintermäntel, mit kleinen, aber schweren Tornistern in den Händen und gewobenen Schuhen Espadrilles an den Füßen, die ihnen ein Polster auf den harten Steinen boten. Das Wetter war noch viel zu warm für die dicken Wintermäntel. Bald jedoch würden sie sie brauchen, wenn in den nahe gelegenen Bergen der Schneefall einsetzte. »Muet comme une carpe«, flüsterte Grace. Stumm sein wie ein Fisch. Zwei der Kinder stießen miteinander zusammen und begannen zu kichern. Dabei hatte Grace sie sowohl auf Französisch als auch auf Englisch angewiesen, still zu sein. Sie verstanden nicht, was auf dem Spiel stand. Wie sollten sie auch? Selbst Grace verstand die Lage nicht vollständig. Doch sie hatte Gerüchte darüber gehört, was außerhalb des Einflussbereichs des Vichy-Regimes geschah. Gewalt hatte sich Bahn gebrochen und schwappte nun auch auf die wenigen Gebiete über, die noch immer als sicher für jüdische Kinder galten. Grace musste diese Kinder an einen sicheren Ort außerhalb Frankreichs bringen. Bevor die Nazis sie finden würden. Sie hatte auch Gerüchte darüber gehört, dass die Alliierten im Krieg gegen Deutschland an Boden gewannen. Sie hörte Berichte über Charles de Gaulle, einen französischen General, der sich selbst im sicheren London aufhielt. Doch alles, was sie hier vor Ort sah, waren französische Polizisten und Nazi-Offiziere, die alle Juden zu hassen schienen, egal ob es sich dabei um Kinder oder Erwachsene handelte. Grace betete, dass die Kinder in Sicherheit sein würden, sobald der Krieg vorbei war. Doch bis dahin würden sie und ihre Mitstreiter, die in Frankreich geblieben waren, weiterhin Hilfe leisten. Vor ihnen war nun die Kathedrale zu sehen, deren mittelalterlicher Glockenturm in den Himmel ragte. Die Steinmauern ließen das Gebäude wie eine Festung wirken. Ein Ort voller Geborgenheit, dachte Grace. Ein Zufluchtsort wie das Bauernhaus, in dem sie und die Kinder zuletzt gewesen waren. Die meiste Zeit des Tages hatten sie geschlafen, bevor sie ihren nächtlichen Fußmarsch wieder fortgesetzt hatten. Nun waren diese Kinder bereits seit zwei Nächten durchgehend unterwegs. Ihre Reise hatte im Waisenhaus in einem Ort mit Namen Aspet begonnen. Die Müdigkeit kroch ihnen in die Knochen, ihre Füße wurden wund, doch sie mussten immer weitergehen. Bald, so hatte Roland Mercier gesagt, würden sie sich gemeinsam in einem Schloss verstecken, bis er für die Kinder eine sichere Route über die Pyrenäen nach Spanien und weiter nach Portugal gefunden hätte. Die Stille in diesen frühen Morgenstunden war wahrhaftig ein Segen. Aber eigentlich war es fast zu still, dachte Grace. Nicht einmal das Bellen eines Hundes oder das Geklapper des Milchwagens war zu vernehmen. Auch der Wind, der die Gasse entlangwehte, fühlte sich an wie Wind in der Wüste, als ob sie die Einzigen wären, die es gewagt hatten, das Städtchen am Fluss zu betreten. Grace schüttelte den Kopf, als ob sie damit gleichermaßen ihre dunkle Vorahnung loswerden könnte. Die Kathedrale war der einzige sichere Ort in diesem Dorf, der Grace' Schützlingen einen Unterschlupf bieten konnte. Nur noch ein paar Schritte, dann würden sie sich endlich verstecken können, bis die Nacht hereinbrach. Ein Stück Papier flatterte durch die enge Gasse, wirbelte über das Kopfsteinpflaster und landete schließlich vor Grace' Füßen. Avis Aux Israelites, Mitteilung an die Israeliten, war darauf zu lesen. Eine weitere Nachricht an die »Unerwünschten«, wie sie genannt wurden. Und wieder die Aufforderung, bei den Behörden vorstellig zu werden. Grace hasste diese Flugblätter so sehr. Ständig erinnerten sie sie daran, dass die Regierung eigentlich eine Institution zum Schutz der Bürger Jagd auf ihre Kinder machte. Sie kickte das Papier mit dem Fuß in Richtung Rinnstein. Sie mussten diese Kinder unbedingt nach Spanien in Sicherheit bringen, bevor die französische Polizei oder die kalten Winterstürme ihrer habhaft werden würden. Marguerite griff nach Grace' Hand. Grace blieb stehen, bückte sich zu dem Mädchen herunter und blickte ihr in die Augen. »Was ist denn los?« »Ich muss mal!«, flüsterte Marguerite leise. »Wir sind gleich da.« Nur noch ein letzter Häuserblock. »Ich muss aber ganz dringend!« Marguerite war den Tränen nahe, was die Dringlichkeit in ihrer Stimme noch einmal verstärkte. Tränen waren der Feind aus dem Inneren. Kleidung konnte man immer wieder reinigen, a…

Weitere Informationen

  • Allgemeine Informationen
    • Sprache Deutsch
    • Gewicht 442g
    • Autor Melanie Dobson
    • Titel Wo die Winterrose blüht
    • Veröffentlichung 27.06.2022
    • ISBN 978-3-96362-281-6
    • Format Kartonierter Einband
    • EAN 9783963622816
    • Jahr 2022
    • Größe H205mm x B135mm x T27mm
    • Herausgeber Francke-Buch GmbH
    • Anzahl Seiten 384
    • Lesemotiv Eintauchen
    • Übersetzer Dorothea Weiland
    • Auflage Auflage
    • Genre Erzählende Literatur & Romane
    • GTIN 09783963622816

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